Disput um Teilnahme Kwasniewskis an Gedenkfeier in Moskau

16. Februar 2005, 13:26
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Feiern im Gedenkan an Kriegsende - Belka dafür, polnische Opposition dagegen

Warschau - In Polen ist eine Diskussion darüber entstanden, ob Präsident Aleksander Kwasniewski am 9. Mai an der Feier zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Moskau teilnehmen soll oder nicht. Ministerpräsident Marek Belka ist dafür, die Opposition im Parlament dagegen. Sie argumentiert, dass der Krieg durch die stalinistische Sowjetunion gewonnen wurde - und diese Sowjetunion Polen daraufhin in das Korsett des Warschauer Paktes gezwängt habe. Die Frage ist heikel, denn eine Absage Kwasniewskis könnte die Beziehungen zu Russland dauerhaft belasten.

Die Opposition argumentiert, dass Polen 1939 von zwei Fronten aus - von Hitler-Deutschland und der Sowjetunion - überfallen wurde. Nach dem Krieg habe der sowjetische Geheimdienst in Polen Zigtausende von Untergrundkämpfern umgebracht, die sich gegen die deutsche Besatzung aufgelehnt hatten. Dazu kommt, dass das russische Außenministerium in der vorigen Woche erklärt hatte, dass man die Konferenz in Jalta nicht beklagen solle, weil Polen dadurch neues Territorium im Westen gewonnen habe.

"In dieser Situation soll der Staatspräsident nicht nach Moskau fliegen. In Russland passieren schlimme Sachen. Der 60. Jahrestag des Gewinns über Hitler-Deutschland soll gefeiert werden, aber sicher nicht als Jahrestag der Befreiung von Mitteleuropa, und insbesondere nicht von Polen", sagte der Chef der Partei Recht und Gerechtigkeit, Jaroslaw Kaczynski, im Radiosender ZET.

Auch der Vorsitzende der umfragestärksten Bürgerplattform (PO), Donald Tusk, hält den Besuch für "höchst ungebührlich". Die PO-Politiker sind aber in dieser Frage nicht einer Meinung. "Ich will den Präsidenten nicht überreden, den Besuch abzusagen", sagte gegenüber der "Gazeta Wyborcza" einer der PO-Führungspolitiker, Bronislaw Komorowski. Seiner Meinung nach soll Kwasniewski in Moskau mit Entschlossenheit gegen von Russland geplante Manipulation der Geschichtsschreibung demonstrieren und an stalinistische Verbrechen und den Nichtangriffspakt erinnern. (APA)

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