Neue Diagnose-Methode in der Brustkrebstherapie

21. Februar 2005, 15:27
posten

Innsbrucker Mediziner tüfteln an Behandlungs-Strategie, die exaktere Erfolgs-Prognosen ermöglicht - Mit Infografik

Innsbruck - Brustkrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Fast alle betroffene Patientinnen, die operiert und teilweise auch bestrahlt wurden, erhalten zusätzlich eine Chemo- oder antihormonelle Therapie für den Fall, dass Krebszellen über die Blut- oder Lymphbahnen metastasieren. Der Nutzen dieser so genannten adjuvanten Therapie kann bisher erst im Nachhinein bestimmt werden: Sobald Metastasen aufgetreten sind, weiß man, dass die Therapie versagt hat.

Einem Team um Martin Widschwendter und Heidi Fiegl vom Brustgesundheitszentrum der Medizinuniversität Innsbruck ist es nun aber gelungen, mithilfe eines Bluttests den Erfolg dieser Nachbehandlung vorauszusagen.

Wie DER STANDARD berichtete, haben die Forscher eine Veränderung der DNA in Tumorzellen gefunden, die in fast allen Brustkrebszellen vorkommt und daher als Marker verwendet werden kann: eine so genannte Methylierung. Dabei wird einem ganz bestimmten Abschnitt eines Gens eine CH-Gruppe, ein Methylrest, angehängt. Dadurch kommt es zur Unterdrückung der Genexpression: zu einer Lahmlegung gewisser Genfunktionen, etwa jenes genetisch programmierten Mechanismus, der normalerweise zur Apoptose, zum Suizid von kranken Zellen führt. Diese DNA-Veränderung kann nun im Blut nachgewiesen werden.

Bisher wurden in Innsbruck etwas mehr als 230 Patientinnen entsprechend untersucht. Die Ergebnisse, die im US-Fachjournal Cancer Research vorgestellt werden sollen: Patientinnen, bei denen diese Veränderung nachgewiesen wird und die keine adjuvante Therapie bekommen, haben eine sehr schlechte Prognose. Bei Patientinnen, die mindestens ein halbes Jahr die antihormonelle Substanz Tamoxifen erhalten und in deren Blut die Veränderung vor Beginn der Therapie nachgewiesen worden war, während der Therapie aber verschwand, treten im weiteren Verlauf keine Metastasen auf. Ein Großteil der Patientinnen allerdings, bei denen nach einem halben Jahr Tamoxifen-Behandlung der Marker immer noch positiv ist oder wurde, erkranken - und sterben oft - an Tochtergeschwülsten.

Maßgeschneiderte Nachbehandlung

Diese Erkenntnisse könnten laut Widschwendter zu einer neuen Strategie führen: Bei Patientinnen, deren Bluttest während der Therapie positiv wurde oder blieb, müsse zu demnach sofort eine Umstellung der Therapie erfolgen, beispielsweise auf so genannte Aromatasehemmer, die über einen alternativen Weg ebenfalls antihormonell wirken. Die bisherigen Ergebnisse seien zwar sehr viel versprechend, aber um wirklich von einem Durchbruch zu sprechen und an eine breite Anwendung zu denken, bedürfe es entsprechender klinischer Studien, warnte der Innsbrucker Forscher vor einer voreiligen Euphorie. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2005)

Links

Medizinische Universität Innsbruck
Biomarker für das Ansprechen neuer Therapien gesucht

Cancer Research
Association of Breast Cancer DNA Methylation Profiles with Hormone Receptor Status and Response to Tamoxifen

Nachlese

Erster DNA-Test für Brustkrebs
Innsbrucker Verfahren ermöglicht frühzeitige Diagnose und Heilungsprognose

  • Artikelbild
Share if you care.