"Alt-Wien": Sammelband zur Ausstellung erschienen

18. November 2005, 15:28
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Anthologie mit Fundstücken, Texte von Daniel Spitzer bis Ilse Aichinger

Wien - Das Thema der im Künstlerhaus laufenden Ausstellung des Wien Museums "Alt-Wien, die Stadt die niemals war" findet nun auch seinen Niederschlag in einem Sammelband: Das Lesebuch "Sehnsucht nach Alt-Wien" enthält neben Beiträgen bekannter Autoren wie Hermann Bahr, Ferdinand Kürnberger, Felix Salten oder Ilse Aichinger auch Texte von legendären "Stadtspaziergängern" und Feuilletonisten wie Daniel Spitzer oder Eduard Pötzl.

Lesung "Polemik und Wehmut"

Präsentiert wird der Band am 17. Februar im Rahmen der "Alt-Wien"-Ausstellung im Künstlerhaus. Unter dem Titel "Polemik und Wehmut" lesen prominente Publizisten aus dem heutigen Wien - Herbert Hufnagl, Doris Knecht, Hans Rauscher und Michael Schrott - streitbare und spöttische Texte von Feuilletonisten vergangener Zeiten.

Anthologie mit Fundstücken

Das im Czernin-Verlag erscheinende Buch enthält ironischen Spott auf jene "schrullenhaften Wiener", die, so etwa Otto Friedländer 1848 im Buch "Letzter Glanz der Märchenstadt", "ganz Wien unter einen Glassturz stellen möchten und sich selbst dazu, und alleweil in der Stadt herumgehen und schauen, dass alles schön bleibt, wie es ist." Herausgeber Arnold Klaffenböck hat auch zahlreiche längst vergessene Texte versammelt, die einst jedoch Anlässe für urbane Erregungen boten, etwa von Franz Gräffer ("Wiener-Altstadt und Wiener-Neustadt", 1849) oder Hugo Wittmann ("Wien darf nicht New York werden", 1910).

Denkfigur "Alt-Wien"

"Alt-Wien" ist kein konkreter alter Stadtteil, sondern eine Denkfigur, eine nachträgliche Projektion, mit deren Hilfe sich Menschen gegen das Verschwinden lieb gewonnener Stadtbilder gewehrt haben. In der Ausstellung wird der Mythos "Alt-Wien", in dem es um wehmütige Erinnerungen an die angeblich gute, alte Zeit geht, am Beispiel von Bildern und Objekten dargestellt. Wolfgang Kos, Direktor des Wien Museums und Kurator der Ausstellung im Künstlerhaus, über das nun erscheinende Buch: "Eine Ausstellung soll auch Nachhaltigkeit haben - etwa durch diese Materialien-Sammlung zur Nostalgie-Debatte." (red)

Links
Wien Museum im Künstlerhaus
Karlsplatz 5
1010 Wien
Ausstellung bis 28.3.
  • Artikelbild
    foto: wien museum
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