Wiener Intercell AG holt sich eine Geldspritze

17. Februar 2005, 10:38
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Erstmals geht ein Biotech-Unternehmen an die Wiener Börse. Intercell erhofft sich mindestens 57 Millionen Euro

Wien - Wenn alles so läuft, wie sich das die Chefs des Wiener Biotech-Unternehmens Intercell AG vorstellen, kommt am 28. Februar erstmals ein Unternehmen an die Wiener Börse, das "von der Biologie und nicht vom Finanzchef gesteuert wird". So jedenfalls charakterisierte Werner Lanthaler (seines Zeichens Intercell-Finanzchef) das auf die Erforschung von Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten spezialisierte Unternehmen anlässlich der Bekanntgabe seines Börsengangs am Montag in Wien.

"Wir hoffen, dass dieser Branchenmix nun auch in Wien Normalität wird", kommentierte das Michael Buhl, Vorstand der Wiener Börse AG. Die Angebotsfrist läuft von 14. bis 25. Februar, auf den Markt kommen bis zu 8,5 Millionen neue Inhaberaktien. Das Preisband wurde mit 6,75 bis 8,50 Euro je Aktie fixiert. Glückt die Platzierung, so wird sie den Impfforschern rund um Unternehmensgründer und Vorstandschef Alexander von Gabain 57,4 bis 72,3 Mio. Euro in die Kassen spülen.

Streubesitz soll bei rund 30 Prozent liegen

Der große Rest bleibt bei den Altaktionären rund um Venture-Capital-Gesellschaften und Intercell-Gründern und Mitarbeitern. Was mit der Kapitalspritze laut Lanthaler geschehen soll: "Wir werden das Geld ausschließlich in Forschung, Entwicklung und Vermarktung unserer Produkte stecken."

Auf dem Markt hat Intercell derzeit noch keinen Impfstoff. Am weitesten gediehen sind in dieser Hinsicht eine Hepatitis-C-Impfung und ein therapeutischer Impfstoff gegen die in Asien weit verbreitete japanische Enzephalitis. Da bricht für die Wiener heuer die dritte klinische Testphase an: die letzte, bevor ein Medikament - im Idealfall - zugelassen wird.

Bei beiden Entwicklungen hat die Intercell AG - sie kooperiert mit Branchenriesen wie Sanofi-Aventis oder Merck - zwar weltweit die Nase vorn - ob die Enzephalitis-Impfung aber wirklich, wie angekündigt, 2007 zur Markteinführung kommt, ist ungewiss. Lanthaler zum Risiko, dass es doch nicht klappt: "Unter 20 Prozent". Lieber erwähnt er das Marktpotenzial: Das liege bei der Enzephalitis-Impfung bei 250 Mio. Euro, bei der Hepatitis-C-Impfung gar bei einer Milliarde Euro.

Erst investieren, dann Gewinne

Erste Gewinne versprechen die Börseneinsteiger ihren Aktionären für 2007; seit der Unternehmensgründung 1997 haben sie Verluste von 66,5 Mio. Euro angesammelt, "Anfangsverluste, die in unserer Branche leider nötig sind", so Lanthaler. Sein Erklärungsansatz für Investoren, die mit Vakzinen, Antigenen oder T-Zellen weniger anfangen können: "Bei uns ist das wie bei einem Bahnunternehmen: Das muss man auch erst in Schienen und Züge investieren, bevor es Gewinne machen kann." (Renate Graber, DER STANDAD, Print-Ausgabe, 15.2.2005)

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