Auch bei der Seebühne steht FPÖ Wasser bis zum Hals

15. Februar 2005, 18:50
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Schwere Belastung für Koalition in Kärnten

Klagenfurt - Nicht nur der Stadionbau, auch das finanzielle Desaster um die Klagenfurter Seebühne bringt Jörg Haider in schwere politische Turbulenzen. Die Verschuldung droht trotz freiheitlicher Verschleierungsversuche ein Rekordausmaß anzunehmen, das noch gar nicht abzuschätzen ist.

Bilanz zurückgewiesen

SPÖ und ÖVP wiesen am Sonntag im Seebühnen-Aufsichtsrat die von einem FP-nahen Steuerberater im Auftrag Haiders und seines zurückgetretenen Finanzreferenten Karl Pfeifenberger vorgelegte Endbilanz zurück.

Das freiheitliche Zahlenwerk war nämlich dank der Einrechnung einer auf fünf Jahre gewährten und zweckgewidmeten Bundesförderung zu einem Überschuss gelangt. Die unabhängigen Prüfer, die der Seebühne zuvor Konkursreife bescheinigt hatten, wurden kurzerhand abberufen. Laut Handelsrecht ist es aber nicht möglich, den Bilanzprüfer ohne Angabe von zwingenden Gründen zu wechseln.

Außerdem müsste zuvor der Aufsichtsrat mit einem solchen Prüferwechsel befasst werden.

Verweigert wird auch die Offenlegung der Ablöse für den Luxus-Vertrag des Doch-nicht-Intendanten Renato Zanella. Zuletzt behauptete Haider, Zanella würde darauf verzichten. ÖVP und Grüne mutmaßen, dass hier des Landeshauptmannes neue "Freunde der Seebühne" als Privatsponsoren einspringen könnten.

Die Seebühne ist mittlerweile zu einer schweren Belastung für die blau-rote Koalition geworden. Denn in der Generalversammlung, die nach der Aufsichtsratssitzung stattfand, wurde die Bilanz angenommen. Die Generalversammlung besteht jedoch aus nur einem einzigen Eigentümervertreter, nämlich Karl Pfeifenberger.

SP-Chef Peter Ambrozy spricht von 3,5 Millionen Euro an Steuergeldern, die 2004 auf der Seebühne verpulvert wurden. Allein im Nachtragsvoranschlag 2004 werden 1,6 Millionen € ausgewiesen. Davon fließen 300.000 € in die Abgangsdeckung der heurigen Sommersaison, 1,3 Millionen sind für 2005 verplant. Weitere 340.000 Euro will Pfeifenberger laut einem Schreiben an die Seebühnen-Gesellschaft nach der Entlastung der Seebühnenbilanz aus dem Landesbudget nachschießen.

Auch die Kärnten Privatstiftung, gegründet, um das "Kärntner Gemeinwohl" zu fördern, ließ 300.000 Euro springen. Gründungsmitglied neben Jörg Haider ist auch Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner. (stein, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2005)

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