Linzer Opernbau aus dem Takt

21. Februar 2005, 21:31
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Noch in dieser Woche wird der Architektenwettbewerb für das Musiktheater ausgeschrieben: Details wurden schon zuvor publik und sorgten für Nervosität

Die Kostenvorgabe für den Bau beträgt 97,5 Millionen Euro.


Linz - "Der Wettbewerb wird in zwei Stufen abgewickelt", erklärt Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP). In der ersten Phase stehen städtebauliche Aspekte im Vordergrund. Wie lasse sich das Theater auf der Blumau in der Linzer Innenstadt in bereits vorhandene Infrastruktur integrieren. So sei etwa die verkehrstechnische Anbindung zu lösen. Erst in der zweiten Phase gehe es um die konkreten Anforderungen für ein "modernes Opernhaus". Sprich Ausstattung der Bühne, Akustik sowie der Lärmschutz. Direkt hinter dem geplanten Musiktheater verläuft die Westbahnstrecke.

Im Dezember rechnet Pühringer mit Ergebnissen: "Wir streben jedenfalls an, dass zum Ende des Jahres der Europäischen Kulturhauptstadt 2009 der Bau des neuen Musiktheaters fertig gestellt ist, an uns wird es nicht scheitern." Eng werden könnte es jedoch, wenn, wie von Linzer SPÖ-Planungsstadtrat Klaus Luger befürchtet, eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Neubau notwendig wird. Dies zeichne sich jedoch für die Errichtung der Tiefgarage ab, so Luger. Ob eine UVP tatsächlich notwendig wird, prüft gerade das Land. Es bestünde dazu zwar prinzipiell die Möglichkeit, es sei aber "äußerst unwahrscheinlich, dass es dazu kommen wird", winkt Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne) ab.

Nach rund 21 Jahren - geprägt von Diskussionen, scheinbar greifbaren Lösungen und parteipolitischem Hickhack - war im Juni des Vorjahres mit der Einigung auf einen Standort der (scheinbar) letzte Vorhang über einen unvergleichlich kuriosen Akt oberösterreichischer Kulturgeschichte gefallen. Jene, die das Theater rund um das Theater aber für beendet hielten, wurden jetzt eines Besseren belehrt.

Für Aufregung sorgte das Anforderungsprofil für den europaweiten Architektenwettbewerb. Dieses Positionspapier - enthalten sind darin von den veranschlagten Gesamtkosten in der Höhe von rund 97,5 Millionen Euro bis zu den baulichen Anforderungen für die Linzer Oper alle baulich relevanten Details für den Wettbewerb - musste erst in einer Sitzung der Landesregierung am Montag beschlossen werden. Einsicht erhielten Interessierte zum großen Ärgernis der Landespolitik aber schon vorab: Die Ausschreibungsunterlagen wurden bereits am vergangenen Wochenende publikumswirksam den Medien zugespielt.

Nichts hinausgegangen "Von uns ist sicher nichts hinausgegangen", heißt es aus dem Büro des Landeshauptmanns, der auch Kulturreferent des Landes ist. Laut Richtlinien für einen europaweiten Wettbewerb muss die Ausschreibung für die Architekten zur gleichen Zeit im Inland und in Brüssel erfolgen.

Gelassen bleibt auch der grüne Regierungspartner: "Ich glaube nicht, dass das vorzeitige Bekanntwerden der Ausschreibung den Bau des Musiktheaters beeinflussen wird", so Anschober gegenüber dem STANDARD.

Wichtig sei es, dass es zu einem "spannenden, europaweiten Wettbewerb kommt" und letztlich das Linzer Musiktheater völlig neue städtebauliche Akzente in der Landeshauptstadt setze, so der Grünpolitiker. Mit den veranschlagten 97,5 Millionen Euro wird das neue Haus übrigens genauso teuer wie die damals in einer Volksbefragung aufgrund zu hoher Kosten abgelehnte (1,2 Milliarden Schilling) "Oper im Berg". (DER STANDARD, Printausgabe, 15.02.2005)

Von
Markus Rohrhofer und Kerstin Scheller
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    Misstöne herrschen rund um die Ausschreibung des Architektenwettbewerbs für das neue Linzer Musiktheater. Der Bau soll zum Ende des Kulturhauptstadtjahres 2009 fertig gestellt sein.

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