Vom autofreien Tag zum Geheimnisverrat

17. Februar 2005, 16:04
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Neue Details zur Kärntner Abhöraffäre - Innenministerium will Band noch nicht freigeben

Klagenfurt - Die unendliche Geschichte um das Klagenfurter EM-Fußball-Stadion ist längst zum Krimi geworden. Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider und Klagenfurts ÖVP-Bürgermeister Harald Scheucher liefern sich ein beinhartes Politmatch, Staatsanwaltschaft und Innenministerium ermitteln bereits mehrfach.

Vor allem die Abhöraffäre um Franz Widrich - er sitzt als Mitglied des Landes Kärnten in der Vergabejury für den Stadion-Neubau - und den Gendarmen Adolf Stark nimmt immer deutlicher Konturen an. Aus dem Innenministerium waren gestern Details aus dem abgehörten Telefonprotokoll Widrichs mit Stark durchgesickert.

Autofreier Tag und Bieterdetails

Demnach habe Widrich als ehemaliger Mitarbeiter im Büro von Landeshauptmann Haider im Zusammenhang mit einer Landesaktion zu einem autofreien Tag alle Anrainer-Bürgermeister entlang des Wörthersees angerufen. Darunter auch den Gendarmen Stark, der FP-Bürgermeister von Maria Wörth ist. Dabei soll Widrich verraten haben, dass er geheime Bieterdetails an eine Kärntner Wochenzeitung geliefert habe. Aus dem Protokoll soll auch hervorgehen, dass Widrich Haider als seinen Auftraggeber genannt habe. Wegen der noch laufenden Ermittlungen wird das Band derzeit noch nicht herausgegeben, heißt es.

Widrich scheint den Ermittlern des Innenministeriums nur zufällig ins Netz gegangen zu sein. Denn Stark wurde offenbar wie einige andere Kärntner Gendarmen wegen diverser Delikte wie gefälschter Handy- und Spesenabrechnungen sowie falscher Krankenstandmeldungen abgehört. Zuvor hatte es amtsinterne Anzeigen gegeben.

In der Affäre um das Klagenfurter EM-Stadion wird seit November 2004 mit zunehmender Schärfe versucht, die Porr - laut Zwischenstand des Vergabe-Verfahrens Best- und Billigstbieter - auszubooten. Jörg Haider, der Präferenzen für ein Bieterkonsortium um die Strabag von Hans-Peter Haselsteiner erkennen ließ, sprach von schweren Vergabemängeln. Ein Obergutachten des Bundes sah lediglich Formalfehler und empfahl das Verfahren fortzusetzen. Die sechs Bieter erhielten Gelegenheit bis 22. Februar ihre Angebote nachzubessern. Dazwischen platzte die Veröffentlichung der Bieterdetails. Womit die Chancen für die Strabag stiegen. (cr, stein, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2005)

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