Rücktritt vom Fiat-Kauf kostete General Motors 1,55 Milliarden Euro

23. Februar 2005, 13:05
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Zusammenarbeit ist gescheitert - Joint Ventures werden aufgelöst - Italiener haben acht Milliarden Euro Schulden und suchen neue Partner

Mailand - General Motors zahlt 1,55 Mrd. Euro (zwei Mrd. Dollar), um Fiat Auto nicht übernehmen zu müssen, und gibt seine Beteiligung von zehn Prozent an dem Turiner Konzern ab.

Die beiden paritätischen Joint-Venture-Unternehmen für den Einkauf von Kfz-Teilen und die Herstellung von Motoren und Getrieben (PowerTrain, betroffen ist auch das Werk in Wien-Aspern, siehe Artikel unten) werden aufgelöst. Einzig in Polen wollen die beiden Autobauer noch gemeinsam vorgehen.

Fiat-Präsident Luca di Montezemolo strahlt

Sein Unternehmen werde künftig die notwendige Freiheit zur Entwicklung neuer strategischer Alternativen haben, meinte er im Pressegespräch. Angeblich wurden bereits Kontakte zu anderen Autoherstellern, u. a. auch zu chinesischen Branchengrößen geknüpft. Fiat beabsichtigt in Zukunft mehrere Allianzen in Teilbereichen einzugehen. "Fiat hat nun neue Zukunftsaussichten", sagte ein Regierungssprecher.

Aktie reagiert mit Kurssprung

Auch die Börse reagierte positiv auf die Einigung. Mit einem Kurssprung von nahezu fünf Prozent quittierten die Fiat-Titel am Montag das Streitende. Die HypoVereinsbank bewertet die Aktie des italienischen Automobilkonzerns Fiat S.p.A. weiterhin mit "Underperform", hob das Kursziel jedoch von 5,08 Euro auf 6,66 Euro an. Die Abfindung ist mit zwei Mrd. Dollar höher ausgefallen als erwartet, bestätigte der Chef von Banca Intesa, Corrado Passera, den Verhandlungserfolg für Fiat. Fiat forderte ursprünglich bis zu 3,6 Mrd. Dollar, GM war vorerst gewillt, maximal 500 Mio. Dollar zu zahlen.

Der US-Konzern habe ein "Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorgezogen", heißt es bei GM. Ein Fiat-Sprecher bestätigte, dass Fiat in dieser Woche die Verkaufsoption gezogen hätte. Nach dem im Jahr 2000 unterschriebenen Vertrag war Fiat berechtigt, die restlichen 90 Prozent Anteile an Fiat Auto dem GM-Konzern ab Januar 2005 anzudienen. GM hatte anfänglich bestritten, dass die Verkaufsoption noch gültig sei, da Fiat inzwischen eine Kapitalaufstockung vorgenommen und den Autofinanzierer Fidis verkauft habe, und drohte, vor Gericht zu gehen.

GM hat mit Opel und Saab bereits genügend Probleme in Europa und wollte sich mit Fiat nicht weitere Lasten aufhalsen, erklären Autoexperten die erzielte Einigung bzw. den unerwarteten Rückzieher.

Fiat Auto ist mit Schulden von acht Mrd. Euro auch nach der Einigung mit GM noch nicht ganz über den Berg. Fiat muss im Herbst eine von vier italienischen Großbanken gewährte Wandelanleihe in Höhe von drei Milliarden Euro zurückzahlen. Da die Banken jedoch vermutlich nicht die Absicht haben, ihr Darlehen in Fiat-Aktien zu wandeln, werden die Darlehen vermutlich um weitere zwei Jahre verlängert. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2005)

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    Fiat-Holding-Boss Luca Cordero di Motezemolo: "Wir sind frei"

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