Porträt: Blutiges Ende eines "Bulldozers"

16. Februar 2005, 14:23
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Baulöwe Hariri war auch Polit-Architekt

Beirut - Der am Montag bei einem Autobombenanschlag ermordete ehemalige Ministerpräsident Rafik Hariri galt als einer der schillerndsten Politiker im Libanon. Da er sich während des fünfzehnjährigen Bürgerkrieges keiner der Kriegsparteien angeschlossen hatte, reichte die Popularität des sunnitischen Politikers weit über den sunnitischen Bevölkerungsteil hinaus. Auch bei seinen schiitischen und christlichen Landsleuten genoss Hariri Sympathien.

Seine Kritiker sahen in dem Dollarmilliardär, Baulöwen und Bankier dagegen einen korrupten Politiker, dem es an konkreten Visionen mangle. Wegen seiner Sturheit nannten sie Hariri "Bulldozer". Hariris Aufstieg hatte schon sehr früh begonnen. Im Alter von 22 emigrierte der 1944 im südlibanesischen Sida geborene sunnitische Muslim nach Saudi Arabien. Zuvor hatte er an der Amerikanischen Universität in Beirut Wirtschaft studiert.

Vertrauensmann

In Saudi Arabien arbeitete Hariri für eine größere Baufirma, später machte er sich selbständig und gründete sein eigenes Bauunternehmen Saudi Oger. Sein Erfolg machte ihn zum Vertrauensmann des saudischen Königshauses. Sein Privatvermögen wurde auf über zwei Milliarden Dollar geschätzt, das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes zählte ihn zu den weltweit 100 reichsten Männern.

Hariris politisches Engagement im Libanon begann nach der israelischen Invasion im Jahr 1982. Er investierte in den Wiederaufbau und für wohltätige Zwecke. Seine "Hariri-Foundation" vergab an junge Libanesen Stipendien für Auslandstudien. In der Zeit des Chaos in Westbeirut Mitte der achtziger Jahre kaufte Hariri Grundstücke und Gebäude.

Neben zahllosen Immobilien besaß Hariri auch noch Schulen, ein Krankenhaus und einen Fernsehsender. Als Kontaktmann zwischen Saudi Arabien und Syrien hatte Hariri einen maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Vereinbarungen von Taif.

Mit dieser im saudischen Taif angenommenen "Charta der Nationalen Versöhnung" wurde der Bürgerkrieg im Libanon beendet. Im Dezember 1992 wurde Hariri zum Regierungschef berufen. Bei seinem Amtsantritt versprach er, dass er Beirut wieder zum "Juwel des Mittelmeeres" machen werde.

Hariris Gegner warfen dem Premierminister wiederholt vor, korrupt zu sein. Auch seine Finanzpolitik war umstritten: Die Staatsschulden stiegen während seiner Amtszeit massiv an.

Im Jahr 1998 musste Hariri sein Amt räumen, nachdem er sich mit dem Präsidenten Emile Lahoud überworfen hatte. Sowohl Lahoud als auch Hariri hatten die politische Vormachtstellung im Lande beansprucht.

Im Jahr 2000 kehrte er dann nach einem fulminanten Sieg bei den Parlamentswahlen an die Regierungsspitze zurück. Im Oktober 2004 entschied er sich nach einem neuerlichen Machtkampf mit Lahoud für den Rücktritt. Der ermordete Hariri hinterlässt eine Frau und fünf Kinder. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2005)

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    Libanons Ex-Premier Rafik Hariri.

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