Beirut: Ex-Premier ermordet

15. Februar 2005, 15:07
posten

Libanesischer Ex-Ministerpräsident Hariri kam am Montag bei einem verheerenden Bombenanschlag in Beirut ums Leben

Der libanesische Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri, der sich für einen Rückzug der Syrer aus seinem Land stark machte, kam am Montag bei einem verheerenden Bombenanschlag in Beirut ums Leben.
* * *

Beirut/Damaskus - Die Detonation war so gewaltig, dass sie selbst noch auf den Hügeln im Osten der Stadt zu hören war: Bei einem katastrophalen Bombenanschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut ist der ehemalige Ministerpräsident des Landes, Rafik Hariri, am Montag ums Leben gekommen. Mindestens neun weitere Menschen wurden bei der Explosion getötet, die Zahl der Verletzten soll bei rund hundert liegen.

Unter den Toten sollen auch mehrere Leibwächter Hariris und zwei frühere Minister sein. Hariri war von 1992 bis 1998 und noch einmal von 2000 bis 2004 libanesischer Regierungschef (siehe Porträt rechts). Er war im vergangenen Oktober nach einem Machtkampf mit Staatspräsident Emile Lahoud zurückgetreten.

Die Detonation ereignete sich gegen Mittag in einem Geschäfts- und Touristenviertel an der Beiruter Uferpromenade "Corniche", an der sich auch mehrere große Hotels befinden. Sicherheitsexperten sagten, die heftige Explosion sei vermutlich durch ein mit Sprengstoff gefülltes Auto ausgelöst worden.

Die Bombe riss einen riesigen Krater in der Asphalt. Mehrere Gebäude wurden völlig verwüstet, darunter eine Filiale der britischen HSBC-Bank. Zahlreiche Autos gingen in Flammen auf. Fernsehsender zeigten Bilder von brennenden Autos und zahlreichen Gebäuden mit beschädigten Fassaden. Schwarzer Rauch stieg über der Innenstadt auf.

Am Ort des Anschlags brachten Passanten und Sanitäter die Verletzten auf provisorischen Tragen zu Privatwagen und mit diesen in Krankenhäuser. Viele Menschen erlitten schwerste Brandwunden. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte riegelten das Areal ab. Staatspräsident Lahoud berief umgehend den Nationalen Sicherheitsrat ein. Vor dem Amerikanischen Krankenhaus in Beirut, in das der Ex-Regierungschef und Milliardär nach dem Anschlag gebracht wurde, versammelten sich trauernde Angehörige und Anhänger. Hariris Nachfolger, Ministerpräsident Omar Karame, eilte zum Unglückort. Auch mehrere Abgeordnete begaben sich dorthin, nachdem eine Parlamentssitzung abgebrochen wurde.

"Gefährliche Situation"

Der syrische Präsident Bashar Assad hat den blutigen Anschlag in einer ersten Reaktion scharf verurteilt. Assad sprach von einem "furchtbaren Verbrechen". Syrien stehe in dieser "gefährlichen Situation brüderlich" dem Libanon zur Seite. Er rief die Libanesen auf, zusammenzustehen und sich allen entgegenzustellen, "die Unruhe stiften und das Volk entzweien wollten".

Syrien hat auf der Grundlage eines Beistandspakts aus dem Jahr 1992 nach mehreren Teilabzügen noch 14.000 Soldaten im Libanon stationiert. In der UNO-Resolution 1559 hatte der Weltsicherheitsrat im September vorigen Jahres auf Initiative Frankreichs und der USA den Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon gefordert. Hariri hatte sich zuletzt dieser Forderung angeschlossen. Der französische Präsident Jacques Chirac, der persönlich mit Hariri befreundet war, hat "unverzüglich" eine internationale Untersuchung gefordert. "Die Umstände dieser Tragödie" müssten rasch geklärt, die Schuldigen bestraft werden. Scott McClellan, der Sprecher des Weißen Hauses, verurteilte den Anschlag und meinte, der Libanon solle "ohne Gewalt und ohne syrische Truppen im Land" alleine über seine Zukunft bestimmen. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Libanese schreit um Hilfe für einen Mann, der durch den Autobombenanschlag an der Beiruter Uferpromenade "Corniche" schwer verwundet wurde.

Share if you care.