Kosovo: Tadic mit Eiern empfangen

15. Februar 2005, 12:45
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Serbiens Präsident will mit UNO-Kosovo-Verwaltung zusammenarbeiten

Die Eier trafen den Falschen. Während Serbiens Präsident Boris Tadic das Hauptquartier der UNO-Übergangsverwaltung des Kosovo (Unmik) unversehrt durch den Hintereingang verließ, hagelten die Wurfgeschoße am Sonntagmittag auf die aus Belgrad nach Pristina angereisten Fotografen nieder. Das Kosovo Action Network (KAN), eine Organisation von Angehörigen seit dem Kosovo-Krieg Vermisster, hatte vor dem Quartier zum Protest gegen den ersten Besuch eines serbischen Präsidenten seit Slobodan Milosevic 1997 gerufen.

"Die Entführten sind immer noch eine offene Wunde für das Kosovo und die Familien", prangte es von Transparenten. Über eine Stunde lang begleiteten die 40 Demonstranten das Treffen Tadic' mit Unmik-Chef Sören Jessen-Petersen mit Trillerpfeifen – der lauteste Protest gegen die zweitägige Visite, die unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen stattfand.

So wurde Tadic' Tross ständig von Unmik-Polizeikräften begleitet, die jedoch am Montag nicht verhinderten, dass bei der Einfahrt in das im Westen des Kosovo gelegene Decani erneut Eier, Schneebälle und Steine auf einen von Journalisten besetzten Begleitbus flogen. Am Himmel schwebten derweil Hubschrauber der Nato-geführten Kosovo- Schutztruppe (Kfor), die Tadic' Route in die serbischen Enklaven von oben abschirmten. Bei Treffen mit Angehörigen der rund 80000 Kosovo- Serben bekräftigte Tadic, dass er sich "für das Recht der Serben und aller serbischen Bürger, im Kosovo zu leben", einsetzen werde.

Zugleich machte der als innenpolitischer Gegenspieler des nationalkonservativen Premiers Vojislav Kostunica geltende 47-Jährige deutlich, dass ihm an einer Zusammenarbeit mit der von Jessen-Petersen geleiteten Protektoratsverwaltung gelegen sei.

Nationale Interessen

So könnten "die nationalen Interessen Serbiens" im Kosovo nicht realisiert werden, "wenn wir uns passiv gegenüber den internationalen Institutionen verhalten, einschließlich derer in der Provinz", so Tadic. Tadic' Kompromissbereitschaft könnte darauf abzielen, Belgrads Gewicht bei den für 2005 geplanten Gesprächen zum Kosovo- Status zu stärken. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2005)

Von Markus Bickel aus Pristina
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