Tadic lehnt Treffen mit Regierungschef des Kosovo ab

14. Februar 2005, 17:40
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Serbischer Präsident: Zuvor müsse der Verdacht über die Verwicklung von Haradinaj in Kriegsverbrechen ausgeräumt werden

Belgrad/Pristina - Der serbische Präsident Boris Tadic hat ein Treffen mit dem Regierungschef des Kosovo, Ramush Haradinaj, ausgeschlossen, solange der Verdacht über dessen Verwicklung in Kriegsverbrechen nicht ausgeräumt sei. "Nicht einmal in Belgrad führe ich politische Gespräche mit mutmaßlichen Kriegsverbrechern. Dies werde ich auch in Pristina nicht tun", sagte Tadic bei einem Besuch in der Ortschaft Batuse, südlich von Pristina. Er sei jedoch bereit, sich mit "allen anderen legitimen Vertretern des Kosovo" zu treffen.

Der serbische Präsident, der sich zu einer zweitägigen Visite im Kosovo aufhält, wird am Nachmittag noch Gracanica, den Sitz des serbisch-orthodoxen Bistums in der Provinz, Lipljane und einige andere Ortschaften besuchen. Den Besuch wird er am Abend in der geteilten Stadt Mitrovica beenden.

Drei Demonstranten nach Protesten verhaftet

Nach den Protesten von Kosovo-Albanern in Decane, wo die Wagenkolonne des serbischen Präsidenten am Montag mit Eiern, Steinen und Schneebällen beworfen wurde, wurden nach Angaben der Kosovo-Polizei drei Demonstranten festgenommen.

Albanische Medien in Pristina haben indes enttäuscht auf den Besuch von Tadic reagiert. Kosovo würde einen zweiten Willy Brandt brauchen, der reumütig niederknien und die serbischen Verbrechen zugeben würde, stellte die Tageszeitung "Koha ditore" fest. Auch "Zerri" nimmt es dem serbischen Präsidenten übel, weil er nicht die Frage der "schweren serbischen Verbrechen im Kosovo angesprochen" und erwähnt hat, dass die künftigen Beziehungen zwischen Albanern und Serben auf "Verständnis und Frieden" beruhen müssten. Als Provokation werden auch die serbischen Flaggen empfunden, die Tadic in den Serben-Enklaven an die lokale Bevölkerung verteilt hat. (APA)

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