Wie sich der Mann seine Traumfrau vorstellt

15. Februar 2005, 07:00
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... glaubt Figurella zu wissen und bemüht 80er-Jahre Stereotypen für die kapitalintensive Her(r)ichtung des weiblichen Körpers - zitroniert!

Dank der aufmerksamen Werbeprospektstudie einer geschätzten Leserin durfte dieStandard.at diese Woche in Nostalgie verfallen, traf sie doch auf alte Chimären, die sie schon längst in Vergessenheit wähnte. "Wie sich der Mann seine Traumfrau vorstellt" prangte in wohlproportionierten Lettern auf einer Aussendung des mittlerweile international agierenden Schlankheitsinstitutes Figurella, als Ankündigung eines altbekannten Sujets aus der Hochzeit des Diätwahns, den 80ern.

Die durchschnittliche Frau

Scheinbar mit "Jolly Kinderfest" aufs Papier gebracht, stehen da vier Damen in aber auch gar nichts verbergenden Bikinis und repräsentieren das scheinbare Dilemma der "Frau von heute". Diese vier Frauen sollen darstellen, wie "die durchschnittliche Frau" aussieht, "wie Frauen gerne aussehen möchten", wie "Frauen glauben, dass Männer sie gerne hätten", aber "tatsächlich wünschen sich Männer eine Frau so".

De facto ist nur ein verschwindend geringer Anteil der Frauen in den so genannten westlichen Ländern mit sich und ihrem Körper zufrieden. Soweit stimmt die Realität mit der Zeichnung überein: So gut wie jede Frau nimmt sich selbst als "zu dick/dünn" war. Oder, auf den Punkt gebracht: als defizitär.

Normierte Körper und normierte Bedürfnisse

Schuld daran sind gerade solche Bilder, die Frauen auf ihre Körperlichkeit reduzieren und auf ihre zwangsheterosexuelle Gefälligkeit. Frau muss dem Manne gefallen und funktionieren und das vor allem über ihren Körper. Denn: "In der heutigen Gesellschaft, in der jung, dynamisch, schlank und leistungsfähig die modernen Schlagwörter sind, landet der Dicke (sic!) zwangsläufig im sozialen Out", so die Homepage von Figurella.

Es soll hier beileibe keine Lanze für Übergewicht gebrochen werden, das sei hier mal festzuhalten. Dass Fettleibigkeit zu großen gesundheitlichen Schwierigkeiten führt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Zumeist sind Bewegungsmangel und falsche Ernährung dafür ausschlaggebend, was vor allem in Zeiten der Mehrfachbelastung und Multijobs kein Wunder ist. Zwischen Job und Kindergarten, Hemden bügeln und Abstract schreiben bleibt meist nur mehr Zeit für das altbewährte Weckerl statt dem Salat, vom Work Out ganz zu schweigen. Langzeituntersuchungen haben überdies gezeigt, dass zum Beispiel Baustellenarbeiter - die während ihrer Arbeit ständig in Bewegung sind - trotz Übergewicht eine weitaus gesündere Konstitution besitzen als schlanke Büroarbeiter, die den ganzen Tag sitzen.

Gesundheit ist mehr als Cholesterinwerte

Dennoch, auch der ständige Druck, zu genügen - nicht nur im Job, sondern auch was das Aussehen betrifft - frisst sich in die Seele und damit auch in die Gesundheit. Welche Frau kann schon unbelastet in ein Stück Kuchen beißen, egal welche Konfektionsgröße sie gerade kleidet? Welche Frau kann schon selbstbewusst und zufrieden mit abgebissenen Fingernägeln, sichtbarem Wamperl und nicht mehr ganz so uptodaten Haaren in einer Besprechung sitzen? Bei Männern scheint das kein Problem zu sein. Oder?

Grundsätzlich spricht ja nichts dagegen, wenn Schlankheitsinstitute Frauen und Männern dabei helfen, gegen Bezahlung ihr "Normalgewicht" zu erreichen. Natürlich wollen wir alle gerne schön sein. Und gepflegt. Und gesund. Und entspannt. Und begehrt. Und von unseren Problemen befreit. Doch um Gesundheit geht es den Firmen, die am Diätenwahn verdienen, eben nicht. Sonst würde uns gezeigt, wie eine "gesunde Frau" aussieht und wie "Frau glaubt, wie eine gesunde Frau aussehen muss". Was hat die Meinung der Männer mit unserer Gesundheit zu tun?

Wir können alles erreichen

Vielmehr wird die Verheißung verkauft, alles erreichen zu können, alle Chimären hinter sich zu lassen, wenn doch nur die "überflüssigen Kilos" weg wären. Das ist schamlos und geht ganz im Gegenteil auf Kosten der Gesundheit von Frauen. Auch wenn wir schlank sind, werden wir diskriminiert, bekommen um ein Drittel weniger bezahlt, werden wir nicht gleich ernst genommen wie Männer, sind in der Politik unterrepräsentiert, stoßen mit unseren Köpfen an die Gläserne Decke. Aber das dann halt mit einer repräsentativen Figur.

(e_mu)

15.02.2005
  • So sehen wir Frauen aus und so sollten wir ausschauen - zumindest, wenn es nach der Meinung von Figurella geht.
    figurella/red.
    So sehen wir Frauen aus und so sollten wir ausschauen - zumindest, wenn es nach der Meinung von Figurella geht.
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