Umsatz der KMU 2003 real leicht gesunken

6. April 2005, 15:56
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Mittelstandsbericht 2003: Gesamtumsatz ging real um 0,1 Prozent zurück -Rückgänge vor allem bei kleinen Betrieben - KMU-Anteil an Beschäftigung steigend

Wien - Der Gesamtumsatz der heimischen Klein- und Mittelbetriebe (KMU) ist im Jahr 2003 real um 0,1 Prozent auf 44,8 Mrd. Euro gesunken. Dabei zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Umsatzminus: Betriebe unter zehn Beschäftigten erzielten in Summe ein Umsatzminus von 1,4 Prozent, Betriebe mit zehn bis 19 Mitarbeitern ein Minus von 0,1 Prozent und Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten ein Plus von 0,9 Prozent, geht aus dem von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) dem Parlament vorgelegten Bericht über die Situation der kleinen und mittleren Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft 2002/03 (KMU-Bericht 2003) hervor.

Gewinnschwelle liegt bei vier Millionen Euro Umsatz

Im Handel erzielte der Großhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren ein Umsatzplus von 10,5 Prozent. Der Einzelhandel beklagte hingegen einen realen Umsatzrückgang von 0,5 Prozent auf 38,3 Mrd. Euro. Betriebe mit mehr als 4 Mio. Euro Umsatz lagen im Plus, Betriebe darunter im Minus. Filialisten und Franchise-Nehmern ging es besser als Einzelhändlern.

In der KMU-Domäne Tourismuswirtschaft, die 2003 ein Nächtigungsplus von 1 Prozent auf 118 Millionen erreichte, setzte sich der Trend zum Qualitätstourismus mit einem überdurchschnittlichen Umsatzplus der Qualitätshotellerie (5/4-Sterne) fort. Wirtschaftsdienstleister steigerten ihren realen Umsatz um 2,4 Prozent auf 32 Mrd. Euro. Die Exportquote lag bei 11,8 Prozent, die Investitionsquote bei 9,5 Prozent.

Sehr gute Exportquote

Im EU-Vergleich lag der Produktivitätszuwachs 2001 mit 1,93 Prozent um 28 Prozent über dem EU-Wert und war im Schnitt der Jahre 1998 bis 2001 mit 6,2 Prozent deutlich größer als in der EU-15 (3,4 Prozent). Bei der Exportquote liegen Österreichs KMU an der Spitze Europas: 38 Prozent der KMU waren 2001 im Export tätig. Über dem EU-Schnitt lagen sie auch beim Kriterium Innovation: 42 Prozent der kleinen, 65 Prozent der mittleren und 89 Prozent der großen Unternehmen haben von 1998 bis 2000 neue oder bessere Produkte oder Herstellungsmethoden eingeführt.

Qualifikationsbedarf melden 23 Prozent der österreichischen und 20 Prozent der EU-KMU an, sie sahen sich 2001 durch Fachkräftemangel beeinträchtigt. 42 Prozent der EU-KMU und 34 Prozent der heimischen KMU verlangten eine bessere Wissens- und Qualifikationsbasis.

Letzter Platz bei der Eigenkapitalquote

Der EU-Vergleich zeigt aber auch Probleme heimischer KMU auf. Bei der Ertragskraft noch im EU-Mittelfeld - am besten schneiden Information und Consulting, Handel, Gewerbe und Handwerk ab -, liegen sie bei der Eigenkapitalquote insgesamt auf dem letzten Platz. Der Sollwert bei der Anlagendeckung von über 100 Prozent wird nur von Betrieben über 50 Beschäftigten überschritten.

KMU in Industrie, Handel, Gewerbe und Handwerk sowie Information und Consulting sind richtig finanziert. Sorgenkinder sind die KMU im Tourismus. Sie finanzieren Anlagen oft kurzfristig mit Bankkrediten, was Liquiditätsprobleme nach sich zieht. Bei ihnen wirke sich aber die Nichtberücksichtigung stiller Reserven am stärksten aus, räumen Experten ein und vermerken positiv, dass die Eigenkapitalquote seit 1999/2000 konstant blieb, heißt es im Bericht.

Die Investitionen der KMU nahmen 2003 um 4 Prozent je Beschäftigten auf 3.800 Euro ab, wobei der Anteil der Umweltinvestitionen bei 5 Prozent stabil blieb.

KMU-Anteil an Beschäftigung steigend

Wie aus dem Mittelstandsbericht weiters hervorgeht, stieg der Anteil der in KMU Beschäftigten seit 1995 um 1 Prozent. 65 Prozent der 2,3 Millionen österreichischen Arbeitnehmer arbeiten in KMU, deren Anteil an allen heimischen Produktions- und Dienstleistungsbetrieben bei 99,5 Prozent liegt. Die Zahl der KMU stieg seit 1995 um 11,6 Prozent, die ihrer Beschäftigten um 8,1 Prozent. Großunternehmen wuchsen um 8,2 Prozent, ihre Beschäftigung nur um 4,6 Prozent.

500.000 Personen arbeiteten demnach in Kleinstbetrieben mit unter zehn Beschäftigten, 530.000 in Kleinbetrieben mit zehn bis 49 Beschäftigten, 473.000 in Mittelbetrieben (50 bis 249 Beschäftigte) und 815.000 in rund 1.000 Großbetrieben. Von 117,9 Millionen Arbeitnehmern in der EU arbeiteten im Jahr 2000 66,3 Prozent in KMU und nur 33,7 Prozent in Großbetrieben. Die Beschäftigung nimmt in KMU tendenziell zu, von 1998 bis 2003 um 0,5 Prozentpunkte.

Gründungsdynamik erreichte neuen Höhepunkt

Mit 28.237 neuen Unternehmen erreichte die Gründungsdynamik 2003 einen Höhepunkt. Entstanden zwischen 1993 und 1996 jährlich 14.000 bis 15.000 Unternehmen neu, waren es von 1999 bis 2003 jährlich 25.000. Die Gründungsintensität (Anteil neuer an bestehenden Betrieben) stieg seit 1993 von 5,79 Prozent auf 8,79 Prozent. Im Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2003 entfielen rund 33 Prozent der Gründungen auf den Handel, 27 Prozent auf Gewerbe und Handwerk, 24 Prozent auf Information und Consulting und 10 Prozent auf Tourismus und Freizeitwirtschaft.

Zugleich stieg 2003 die Zahl der Insolvenzen um 7 Prozent auf 5.643, 2.686 Konkursanträge wurden mangels Vermögen abgewiesen. Stark betroffen waren Bauwesen, Gastgewerbe und Wirtschaftsdienstleistung.

Sorgen über Fachkräftemangel

Unter Mangel an Fachkräften leiden 23 Prozent der österreichischen und 20 Prozent der KMU in der EU. In Österreich tragen KMU wesentlich zur Berufsausbildung bei. 2003 bildeten sie 75 Prozent der 119.040 Lehrlinge in 311 Berufen aus. 9.276 Lehrlinge absolvierten Ausbildungen in neuen oder modernisierten Lehrberufen. Zustrom verzeichneten Informatik (plus 27 Prozent), Kommunikationstechnik und Nachrichtenelektronik (plus 24 Prozent).

Von den 212.500 heimischen Unternehmen zählten 29 Prozent zum Handel, 23 Prozent zur Wirtschaftsdienstleistung, 18 Prozent zum Tourismus und 12 Prozent zur Sachgütererzeugung. Von 2,3 Millionen Personen sind 24 Prozent im Handel, 14 Prozent in Wirtschaftsdienstleistungen und jeweils 9 bis 11 Prozent in Bauwesen, Tourismus, Verkehr und Nachrichtenübermittlung beschäftigt.

Starkes Wachstum bei Wirtschaftsdienstleistern

Seit 1995 nahm die Zahl der Gesamtbeschäftigten um 149.000 oder 6,9 Prozent, die der Unternehmen um 22.000 oder 12 Prozent zu. Am stärksten wuchsen die Wirtschaftsdienstleistungen mit 59 Prozent mehr Unternehmen und 70 Prozent mehr Beschäftigten vor Verkehr/Nachrichtenübermittlung mit 12 Prozent mehr Betrieben und 9 Prozent mehr Arbeitsplätzen.

Bei Banken und Versicherungen sowie im Bauwesen stieg die Zahl der Unternehmen mit 97 Prozent bzw. 21 Prozent stark, die Beschäftigung nahm ab. In Handel und Tourismus vollzogen sich Konzentrationen: Die Zahl der Betriebe sank um 4 Prozent bzw. 1 Prozent, die Beschäftigung wuchs um 6 Prozent bzw. 17 Prozent. (APA)

  • Vor allem Kleinstbetriebe kamen durch Umsatzrückgänge in den letzten Jahren unter Druck: Oft fehlten ihnen die nötigen Rücklagen, um trotzdem liquide zu bleiben
    foto: der standard/semotan

    Vor allem Kleinstbetriebe kamen durch Umsatzrückgänge in den letzten Jahren unter Druck: Oft fehlten ihnen die nötigen Rücklagen, um trotzdem liquide zu bleiben

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