Nasenspray statt Nadelstich

21. Februar 2005, 13:42
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Österreichische Labors forschen nach neuen Influenza-Impfstoffen

Den effektivsten Schutz gegen Grippe bietet die Influenza-Impfung. Da die Influenzaviren häufig ihre äußere Gestalt ändern, schützt eine Impfung, die länger als ein Jahr zurückliegt, jedoch nicht vor einer neuerlichen Infektion mit einem veränderten Virus. Der Impfstoff muss daher laufend an die aktuellen Virusvarianten angepasst werden.

Während fast alle Impfstoffe auf inaktivierten Viren basieren, setzen die Influenza-Experten vom Institut für angewandte Mikrobiologie an der Boku auf einen Lebendimpfstoff. Dietmar Katinger von der Biotechtirma Polymun, die an der Entwicklung des neuen Serums mitarbeitet, erklärt, warum: "Lebendimpfstoffe haben die gleiche Effizienz, bieten aber zusätzlich einen breiteren Schutz, wenn sich der Virusstamm ändert." Ein anderer Vorteil des Lebendimpfstoffs wird vor allem Spritzenmuffel freuen, denn er wird einfach auf die Nasenschleimhaut gesprüht.

Das Konzept des Lebendimpfstoffs wurde in Russland entwickelt und ist dort bereits seit den 80er-Jahren in Verwendung. Seit rund einem Jahr ist unter dem Namen "Flu-Mist" auch in den USA ein Influenza-Nasenspray auf dem Markt. Das Virus wird - wie bei fast allen gängigen Influenza-Impfstoffen - in ausgebrüteten Hühnereiern produziert. Der Nachteil dieser Methode: Man braucht Millionen von Eiern, was die Impfstoffherstellung umständlich und langwierig macht.

Influenza-Lebendimpfstoff-Spray

Die Forscher produzieren ihren Impfstoff deshalb auf einer tierischen Zellkultur, den Verozellen, die bereits für die Polio- und die Tollwutimpfung eingesetzt werden. Wann der Influenza-Lebendimpfstoff-Spray auf den Markt kommen wird, steht allerdings in den Sternen, denn die Pharmaindustrie verhält sich noch sehr passiv. "Viele warten ab, wie sich der Lebensimpfstoff der Amerikaner entwickelt", meint Katinger.

Ein Trendsetter auf dem internationalen Impfmarkt ist die Firma Baxter, von der die neue Produktionsmethode mittels Verozellen entwickelt wurde. In den nach dem neuen Verfahren arbeitenden Virenreaktoranlagen Baxters, von denen auch in Niederösterreich eine steht, werden allerdings die üblichen inaktivierten Viren gezüchtet. In den Niederlanden hat Baxter bereits eine nationale Zulassung, die Österreicher werden wohl noch warten müssen.

Grundlagenforschung wird auch am Institut für Hygiene der Grazer Medizinuniversität betrieben. "Wir wollen bereits vorhandene Impfstoffe optimieren", erklärt Institutsvorstand Egon Marth. Ein Ansatzpunkt sind dabei die früher eingesetzten Ganzkörpervirus-Impfstoffe: "Die wirken hoch effizient, lösen aber Fieber aus. Wir forschen, welche Mechanismen Fieber bewirken und wie sie geknackt werden können." Des Rätsels Lösung sei in Sicht. (grido/DER STANDARD, Printausgabe, 14.02.2005)

Links

Baxter Austria

Medizinische Universität Graz
Institut für Hygiene

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