AUA-Betriebsversammlung zu Ende

14. Februar 2005, 20:43
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"Aufgeheizte Stimmung" bei Informationen des Bord-Betriebsrats über Umsetzung der KV-Vereinbarungen - Weitere Versammlungen angekündigt

Wien/Schwechat - Ohne nennenswerte Störungen im Flugbetrieb ist am frühen Nachmittag die Betriebsversammlung des fliegenden Austrian Airlines-Personals am Flughafen Wien-Schwechat zu Ende gegangen. In mehr als zweieinhalb Stunden hat der Betriebsrat Bord (BRB) Piloten und Flugbegleiter über die aktuelle Situation bei der Umsetzung der am 24. August vereinbarten Kollektivvertrags-Vereinbarungen informiert. Die Stimmung unter den rund 400 Teilnehmern sei "aufgeheizt" gewesen, sagte der stellvertretende BRB-Vorsitzende Karl Minhard nach der Sitzung zur APA.

Konkrete Beschlüsse wurden keine gefasst, aber "wir werden weitere Betriebsversammlungen abhalten, um die Information breiter zu streuen", kündigte der Betriebsrat an. Über eine mögliche weitere Eskalation des neu aufgebrochenen Konflikts bei der AUA wollte er nicht spekulieren, die weitere Entwicklung hänge jetzt "vom Personal" ab.

"Ungerechtfertigte Kündigungen" bei Austrian arrows

Das Bordpersonal der AUA erkläre sich "solidarisch" mit der Belegschaft des Regionalfliegers Austrian arrows/Tyrolean, die parallel zur AUA eine eigene Betriebsversammlung abhielt. Das fliegende Tyrolean-Personal kritisiert die fehlende Umsetzung des vereinbarten "Karrieremodells", das mögliche Wechsel von Tyrolean-Piloten und -Flugbegleitern in die - besser zahlende - AUA vorsieht, auch von "ungerechtfertigten Kündigungen" ist die Rede.

Die Darstellung der AUA, wonach die Belegschaftsvertretung für die verzögerte Umsetzung der Betriebsvereinbarungen verantwortlich sei, wies Minhard energisch zurück: "Das ist gelogen. Wenn ein Vertragspartner einen Vertrag nicht einhält, ist das eine Sauerei".

Flugbetrieb lief weitgehend störungsfrei

Bis auf eine einstündige Verspätung bei einem Flug nach London gab es offenbar keine Störungen durch die AUA-Betriebsversammlung. Vorsorglich habe die AUA aber bereits im Vorfeld drei Langstreckenflüge - nach Washington, Delhi und Melbourne - auf den frühen Nachmittag verlegt.

Die heutige Betriebsversammlung ist ein Indiz dafür, dass sich der beigelegt geglaubte Konflikt zwischen dem AUA-Bordpersonal und der Unternehmensführung offenbar wieder zuspitzt. Die AUA spricht "von einigen noch offenen Betriebsvereinbarungen im Anhang des neuen Kollektivvertrags", die "mit beiderseitigem konstruktiven Willen (...) durchaus lösbar" seien.

"Es wird überall ein bisschen weggezwackt"

Belegschaftsvertreter beanstanden dagegen "unzählige" Punkte, die nicht eingehalten würden. Gehaltsbestandteile würden nicht korrekt ausbezahlt, Arbeits- und Ruhezeitenbestimmungen nicht eingehalten. "Es wird überall ein bisschen weggezwackt", sagte Minhard im ORF-Radio. Anstatt der vereinbarten Win-win-Situation für beide Seiten gebe es nur noch Vorteile für die Unternehmensleitung.

Im August 2004 hatte sich das fliegende Personal von Austrian (AUA), Lauda Air und Austrian arrows/Tyrolean mit der Unternehmensleitung nach mehr als eineinhalbjährigen Verhandlungen auf einen neuen Kollektivvertrag (KV) geeinigt. Vorausgegangen waren mehrere Phasen der Eskalation, die zwei Mal zu mehrstündigen Streiks geführt hatten. (APA)

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