"Generell flau verlaufen"

14. Februar 2005, 12:13
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Mit dem Abschneiden der Österreicher war ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel zufrieden, mit der WM als Event allerdings nicht - Im STANDARD-Interview mit Benno Zelsacher sagt er, wie es sein müsste und warum die so genannten Exoten für den ÖSV so wertvoll sind

STANDARD: War diese WM ein Erfolg für den Skisport?
Schröcksnadel: Für Österreich war sie sicher ein Erfolg, generell ist sie sehr flau verlaufen. Wenig Zuschauer, und rundherum um den Sport war sie nicht so organisiert, wie es für einen derartigen Event angemessen wäre.

STANDARD: Finden Sie es in Ordnung, dass sich die WM über drei Wochenenden gezogen hat? So war sie ja sehr lange in allen Medien präsent.
Schröcksnadel: Nein, das ist viel zu lange. Zehn Tage und zwei Wochenenden sind völlig ausreichend. Dann kommt sie auch geballt daher. Es reicht, wenn die WM am Freitag beginnt. Das Abfahrtstraining kann man ja auch vorher abhalten.

STANDARD: Die WM 2007 in Aare ist schon wieder für 17 Tage angesetzt. Lässt sich daran noch rütteln?
Schröcksnadel: Das glaube ich eher nicht.

STANDARD: Sie sind doch im FIS-Vostand, der dafür verantwortlich ist.
Schröcksnadel: Die nächste Sitzung findet kommende Woche während der Nordischen Weltmeisterschaft in Oberstdorf statt. Ich werde da noch einen Versuch starten. Aber es bewegt sich halt alles sehr langsam.

STANDARD: Seit Jahren schon wird das Marketing der FIS kritisiert. Bewegt sich bei diesem Thema etwas?
Schröcksnadel: Man muss jetzt schauen, wie weit die Sponsoren zufrieden waren mit dieser WM. Die Skiindustrie erzeugt schon Druck.

STANDARD: Macht es Sinn, dass bei einer WM rund 60 Nationen dabei sind? Die Niveauunterschiede sind teilweise eklatant?
Schröcksnadel: Bei einer WM bin ich dafür, im Weltcup nicht. Ich bin sogar dafür, jedes Jahr eine WM zu veranstalten. Wir wollen ja den Skisport verbreiten.

STANDARD: Also ist es positiv, dass die FIS die so genannten kleinen Nationen unterstützt?
Schröcksnadel: Ja, sicher, der ÖSV macht das ja auch.

STANDARD: Handelt es sich dabei um eine Art Gegengeschäft?
Schröcksnadel: Ja. Es geht immer auch darum, Allianzen zu haben, wenn man etwas erreichen will.

STANDARD: Sehen Sie etwas Positives im TV-Streik, der immerhin dafür gesorgt hat, dass Menschen auf die WM aufmerksam geworden sind, die sich für den Skisport sonst gar nicht so sehr interessieren?
Schröcksnadel: Für uns war es positiv, weil es wärmer geworden ist, was dem Schnee die Aggressivität genommen hat. Sportlich war's für uns ein Vorteil, wir haben den Riesenslalom einen Tag später gewonnen. Aber normal darf das nicht passieren. Man hat davon gewusst, hätte einen Notfallplan organisieren müssen. Wir haben vor Jahren in Saalbach binnen drei Tagen einen Weltcup organisiert. Gegen den ORF. Wobei ich dazu schon sagen möchte, dass sich der ORF hier sofort angeboten hat, die Übertragung durchzuführen, was offenbar technisch in so kurzer Zeit nicht möglich war.

STANDARD: Ist jetzt Abfahrtsgold die wichtigste Medaille? Oder sind es doch jene, die man gerade gewinnt?
Schröcksnadel: Für uns war die Abfahrt immer das Wichtigste. Das ist die alpine Medaille. Ich will die Niederlage nicht schönreden. Auf der anderen Seite feiern wir jetzt Erfolge in Disziplinen, in denen früher nicht viel gegangen ist. Vielleicht ist die Abfahrtsgoldene für uns aber auch deshalb so wichtig, weil wir sie früher so oft gewonnen haben.

STANDARD: Mit Bode Miller und Daron Rahlves gab es genau zwei, denen man zugetraut hat, die Österreicher zu schlagen. Prompt haben sie es getan.
Schröcksnadel: Dazu muss man auch gratulieren. Die beiden haben ja außer uns keine Konkurrenz. Dafür hat der Riesenslalom bestätigt, dass der Maier Hermann einer ist, der bei Großereignissen jederzeit für eine Medaille gut ist, ganz egal, was vorher war.

STANDARD: Als die interne Abfahrtsqualifikation mit Hermann Maier angekündigt wurde, behauptete DER STANDARD, dass diese niemals stattfinden und Maier aus guten Gründen gesetzt wird. Siehe da, sie fand in dieser Form nicht statt, und Maier wurde gesetzt.
Schröcksnadel: Die Qualifikation hätte es gegeben, ganz bestimmt. Aber bei diesen Windverhältnissen hätten sie sich es auch ausschnapsen können.

STANDARD: Das Damenteam hat nicht so toll abgeschnitten, oder?
Schröcksnadel: Die Damen wurden unter ihrem Wert geschlagen. Wäre dem nicht so gewesen, hätten wir überhaupt das beste Ergebnis der WM-Geschichte. In Abfahrt und Super-G ging es nur um Gold. Das war wie 1997 bei den Herren in Sestriere, die dann nichts gewonnen haben. Hier haben alle riskiert und verloren. Ich bin keiner bös.

STANDARD: Wie hat es Ihnen, rein persönlich, in Bormio gefallen?
Schröcksnadel: Die Altstadt ist sehr schön. Aber als Wintersportort ist Bormio nicht so angenehm. Vom Flair her kein Vergleich mit St. Moritz und St. Anton. Schade, dass kein Schnee hier liegt und der Wind immer so viel trockenen Staub aufwirbelte. Ich mag keine staubige Luft. (DER STANDARD Printausgabe 14.02.2005)

Zur Person

Der Tiroler Peter Schröcksnadel (63) ist seit 1990 ÖSV-Präsident. Als gelernter Werbe- und Marketingfachmann machte der Tourismusunternehmer aus dem Skiverband einen umsatzträchtigen Wirtschaftsfaktor.

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    ÖSV-Präsident Schröcksnadel

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