Kopf des Tages: Benni Raich

13. Februar 2005, 21:19
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Medaillen für Großfamilie Raich

Es gibt keinen schlechten Schnee, es gibt nur bessere Skifahrer. Den Beweis dafür lieferte Benjamin Raich, als er sich bei der WM in Bormio auf einer ramponierten Piste Slalomgold nahm. Zuvor hatte er bereits Gold in der Kombination, Silber im Riesenslalom und Bronze im Super-G gewonnen, und im erstmals ausgetragenen Teambewerb am Schlusstag trug er zur Silbernen der Österreicher bei.

Raich (26) ist ein ernsthafter junger Mann, zielstrebig, fleißig, gläubig, bescheiden, höflich, dankbar und, obwohl mittlerweile millionenschwer, uninteressiert am materiellen Luxus. Er geizt mit Wuchteln, hat keine Allüren, liefert keine Affären und den Fotografen zwar schneidige Aktionen am Berg, aber keine griffigen Posen nach vollbrachten Werken. Er lehnt Rollen ab, die ihm nicht liegen. Weshalb er in der Medienszene als einer gilt, der nicht viel hergibt. "Der Hermann", sagt Raich, "ist für euch sicher interessanter, seine Fans steigern sich rein, er polarisiert. Ich bin da vielleicht diplomatischer."

Raichs Karriere verlief außergewöhnlich erfolgreich, aber unspektakulär, weil geradlinig und frei von Auferstehungen. Mit 16 kam er zum Skiverband, besuchte die Skihandelsschule in Stams, gewann fünf Junioren-WM-Titel, den Europacup, feierte als 20-Jähriger beim Slalom in Schladming seinen ersten von bisher 15 Weltcupsiegen. Bormio war Benjamins vierte WM bei den Großen, zuvor hatte er sich, obwohl stets zu den Favoriten zählend, mit einer Silbernen begnügen müssen, zwei bronzene Olympiamedaillen gehören ihm ebenfalls.

Raich betont, wie viel Arbeit hinter den Erfolgen steckt, und damit meint er nicht nur jene, die er selbst leistet, sondern auch jene der Trainer und Serviceleute und vor allem jene der Familie Raich, die in Arzl im Pitztal daheim ist und Benjamin wie viele andere Pitztaler in Bormio beim Siegen zusah. "Wir waren nicht sehr reich. Wir mussten sehr viel arbeiten. Skifahren ist ja nicht gerade der billigste Sport. Dafür haben wir immer alles geteilt. Bei uns daheim sagt keiner, das ist mein Auto. Es ist unser Auto." Und also sind es die Medaillen der Raichs.

Die Eltern, Vater Lois und Mutter Christine, sind Bauern, auf ihrem Hof kann man Urlaub machen. Lois, auch Tischler und Skilehrer, fertigte die meisten Möbel selbst. Schwester Carina fährt ebenfalls im Weltcup, Bruder Florian betreibt eine Rennfahrerschule und Bungee-Jumping von der Pitztalbrücke, den 94-Meter-Sprung hat sich Benjamin natürlich auch schon gegeben. Seine Freundin, die Salzburgerin Marlies Schild, gewann in Bormio Bronze in der Kombination. Er, Benjamin Raich, könne schon feiern und aus sich herausgehen. "Aber erst im Frühjahr. Es wartet noch sehr viel Arbeit auf uns." (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 14.02.2005)

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    Benjamin Raich

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