Wie Kosten und Gebühren auf dem Ertrag lasten

25. Februar 2005, 20:53
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Für Anleger sichtbar ist nur die An- und Verkaufsgebühr von Fonds. "Unsichtbare" laufende Kosten können aber mehr schmerzen.

Die Kosten der Fonds sollten beim Zusammenstellen des adäquaten Portfolios nicht der Ausgangspunkt der Überlegung sein. Erst muss ja der Anlagehorizont bestimmt werden, dann die Risikotoleranz definiert und dafür dann die beste Streuung über die Anlageklassen gefunden werden. Aber: Kosten sind bei aktiv gemanagten Fonds aber Ertragsfresser, die sich vor allem in mageren Ertragszeiten stark auswirken.

Da die Performance von Fonds nach Kosten ausgewiesen wird, fallen diese auf den ersten Blick auch gar nicht auf. Der Ertrag von Fonds wird auch nicht primär durch seine Kosten, sondern durch die Qualität des Fondsmanagements im Rahmen der Marktentwicklungen bestimmt. Wenn man allerdings die Performance des MSCI World 2004 mit knapp sieben Prozent betrachtet und dann mit der Nettoperformance von Fonds vergleicht, die sich an ihm orientieren, wird die Recherche der Kosten schon interessanter.

Die Kostenblöcke:

  • Ausgabeaufschlag (AGA):
    Diese Gebühr fällt einmalig beim Fondskauf an und wird an die Vertriebsstelle des Fonds bezahlt. Die Kosten erstrecken sich meist von 0,5 Prozent (Geldmarktfonds) bis etwa fünf Prozent (Aktienprodukte). Der AGA wird vom eingezahlten Kapital abgezogen, der so verminderte Betrag gelangt zur Veranlagung.

    Manche Fonds werben mit "no load", also keinem AGA. Möglich aber, dass dann die Rücknahmegebühren höher sind. Sie mindern den Verkaufserlös des Produktes. Elektronischer Fondskauf ist meist mit niedrigeren AGAs verbunden, ebenso ist der AGA je nach Veranlagungssumme meist verhandelbar.

  • Verwaltungsgebühren:
    Für das Fondsmanagement und die Verwaltung des Fonds durch die Kapitalanlagegesellschaft und durch die Depotbank fallen jährlich fortlaufend Kosten an, die aus dem Fondsvermögen bezahlt werden. Heimische Gesellschaften müssen die laufende Gesamtkostenbelastung eines Fonds durch die TER (Total Expense Ratio) im vereinfachten Prospekt ausweisen. Meist liegt sie zwischen 2,5 und 3,5 Prozent.

  • Transaktionskosten:
    Sie fallen an, wenn Fondsmanager Wertpapiere kaufen und verkaufen. Sie sind nicht Teil der TER, repräsentieren aber ebenfalls einen Kostenblock.

  • Erfolgsabhängige Gebühren:
    Sie fallen meist bei komplizierter konstruierten Produkten und bei Hedgefonds an. Schlagend werden sie aufgrund eines bestimmten Kennzahlenmix. Ist das Produkt besser als diese Messlatte, dann bekommt das Fondsmanagement von den Anlegern Erfolgsprämien. Die Fondsanalysten von e-fundresearch.com haben herausgefunden, dass große Fonds mit mehreren Milliarden Anlagevolumen - die aufgrund von Skaleneffekten eigentlich billiger werden müssten - zuletzt vor allem in Deutschland teurer wurden. Insgesamt erhöhe die Popularität einer Anlageklasse auch die Kosten: Rohstoffe und Osteuropa-Aktien wurden demnach auch teurer. Erhöhte Nachfrage treibe die Kosten, so e-fundresearch.com.

    Insgesamt, so fand die Industry Research Group unter Leitung der Fondsgesellschaft Invesco aber heraus, stimmen die Skaleneffekte schon: Die 29.000 Fonds in Europa sind teurer als die 8100 Fonds in den USA. Sie haben mit etwa 770 Mio. Euro durchschnittlich auch fast je sechsmal so hohe Anlagevolumen. Laut Studie bringt das in der Anlage in europäischen Fonds etwa 20 Basispunkte Mehrkosten.

    Was laufende Kosten für die Langfristanlage bedeuten können, illustriert eine Modellrechnung von Moneyfruits.com anschaulich: Werden bei einem 30-Jahre-Horizont bei einer Bruttorendite von neun Prozent die laufenden Kosten von drei auf 1,5 Prozent gesenkt, dann ergibt das 25 Prozent mehr Nettorendite. Da mehr Kapital in der Veranlagung bleibt, kann auch der Zinseszinseffekt stärker wirken und bringt auf diesen Zeitraum dann 30 Prozent mehr kapital. In der Geldanlage für lebenslange Renten sollten solche Modellrechnungen zwecks höherer Auszahlungen betrachtet werden. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2005)

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