Umfrage: Direktoren sollen Lehrer kündigen

12. April 2005, 14:05
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91 Prozent der Österreicher sind dafür, dass sich die Lehrer in den Ferien verpflichtend fortbilden sollen

Linz - Die Lehrkräfte werden von den Österreichern als die Schlüsselfiguren der Schulreform gesehen: Keine Forderung der letzten Wochen stößt auf so viel Zustimmung wie jene, dass die Lehrer sich in den Ferien verpflichtend fortbilden sollen. 91 Prozent der Österreicher meinen, dass dies die Qualität des Bildungswesens verbessern würde. Das geht aus einer Umfrage des Linzer market-Instituts für den STANDARD hervor.

Ähnlich starke Zustimmung (insgesamt 87 Prozent) gibt es nur für die Forderung, dass Kinder, die nicht genug Deutsch können, erst die Sprache lernen sollen, bevor sie mit Kindern, deren Muttersprache Deutsch ist, gemeinsam unterrichtet werden. Vorbehalte gegen diese Forderung gibt es in nennenswerter Größe nur bei den Grün-Wählern, wo etwa jeder vierte dagegen ist, erst einmal den Spracherwerb vorauszusetzen. Zwei Drittel der Befragten fordern, dass Schuldirektoren Lehrer wie jeden anderen Arbeitnehmer auch kündigen können sollen.

Die Idee, die - bisher fachlich an Universitäten ausgebildeten - Lehrkräfte für die AHS-Unterstufe an den neuen Pädagogischen Hochschulen auszubilden, findet ebenfalls hohe Zustimmung und kaum Ablehnung, erklärt David Pfarrhofer von market: "Das ist eine Forderung, die, unabhängig von den für die meisten Befragten kaum vorstellbaren Konsequenzen, ausgesprochen populär ist." Den meisten Befragten sei auch nicht bewusst, dass AHS-Schüler bei der Pisa-Studie viel besser als ihre finnischen Kollegen abgeschnitten haben, die AHS-Lehrer also erfolgreicher unterrichten als die bisher an Pädagogischen Akademien ausgebildeten Hauptschullehrer.

Hohe Anerkennung findet die Forderung, die Kinder vor der Einschulung verpflichtend ein Jahr an einen Kindergarten zu schicken - die relativ stärksten Vorbehalte gibt es dagegen bei jungen Befragten, in Mehrkinder-, Maturanten-und Akademikerhaushalten. Ein ähnliches Bild bietet sich bei der Betrachtung, wer gegen eine Fünf-Tage-Ganztagsschule ist.

Pfarrhofer: "Wir haben bewusst bei unseren Fragestellungen politisch besetzte Reizworte wie Ganztagsschule oder Gesamtschule vermieden. Dennoch zeigt sich, dass vor allem die erklärten ÖVP-Wähler mit großer Mehrheit der Ablehnung ihrer Partei für diese beiden, in der Umfrage nur umschriebenen Modelle folgen." Auffällig sei aber auch, dass in den meisten Bevölkerungsgruppen (besonders wieder in Mehrpersonenhaushalten) eine Mehrheit gegen die gemeinsame Schule für alle Pflichtschüler ist. Auch unter den erklärten SPÖ-Wählen ist jeder Zweite ein Gegner einer gemeinsamen Schule für alle sechs bis 14 Jahre alten Schüler.

Dieses Ergebnis widerspricht der in der Vorwoche von der Arbeiterkammer veröffentlichten Umfrage, die eine 54-Prozent-Mehrheit für die Gesamtschule ergeben hat. Der Unterschied erklärt sich daraus, dass bei der AK-Fragestellung mit dem Hinweis auf "individuelle Förderung" für das Gesamtschulmodell geworben wurde. Eine jüngere Gallup-Umfrage für News hatte - ähnlich wie die market-Umfrage - eine Mehrheit gegen die Gesamtschule gebracht.

Hohe Erwartungen werden in eine Elite-Universität zur Fortbildung von Spitzenakademikern gesetzt (nennenswerten Widerstand dagegen gibt es vor allem bei Grün-Wählern) - dagegen sind 53 Prozent gegen einen Numerus clausus, also, dass nur studieren darf, wer besonders gute Maturanoten hat. Eine eigene Zusatzprüfung für die Zulassung zu Universitätsstudien stößt dagegen nur bei einem Drittel der Befragten auf Ablehnung, 65 Prozent sind für eine solche Prüfung. (DER STANDARD, Conrad Seidl, Printausgabe, 14.2.2005)

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    Umfrage-Grafik- Teil 2

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