Gelungenes Experiment Teambewerb

13. Februar 2005, 16:24
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Raich: "Eine geile Geschichte, so etwas fördert den Teamgeist, alle zittern mit"

Bormio - Mit einer gelungenen Weltpremiere ist am Sonntag die alpine Ski-WM in Bormio zu Ende gegangen. Im Gegensatz zum längst wieder sanft entschlafenen KO-Slalom entpuppte sich der Nationen-Teambewerb als gelungenes Experiment. "Eine geile Geschichte. So etwas fördert den Teamgeist, alle zittern mit", zeigte sich auch WM-Star Benjamin Raich, der mit fünf Medaillen rot-weiß-rote Skigeschichte schrieb, angetan. Ob dieser Mixed-Bewerb für Damen und Herren im Super G und Slalom auch künftig bei Titelkämpfen ausgetragen wird, steht aber noch nicht fest.

Der Teambewerb brachte jedenfalls einige Erkenntnisse. Positivste Elemente waren wie erwartet die Taktik und die Spannung, die sich aus dem Verlauf der Serien ergaben. Blitzschnelle Kopfrechner in den Teams waren gefordert, das "Ausfallsverbot" zerrte sichtlich an den Nerven einiger Athleten und auch die Technik spielte gut mit. Sie ist aber wie erwartet speziell im Anzeigenbereich verbesserungswürdig. Der Bewerb kehrte auch seinen speziellen Charakter hervor, denn Gold für Deutschland vor Österreich bewies, dass nicht unbedingt die stärkste Ski-Nation gewinnen muss.

Zeitvergleiche zwischen Damen und Herren

Erstmals gab es seriöse Zeitvergleiche zwischen Damen und Herren auf der gleichen Piste. Im Super G war mit Nadia Fanchini die schnellste Dame 3,45 Sekunden langsamer als Herren-Bestzeithalter Daron Rahlves, im Slalom lagen 2,38 Sekunden zwischen den Bestzeithaltern Felix Neureuther und Sonja Nef, die jedoch Team-Weltmeister Andreas Ertl um 31/100 distanzierte!

Der Teambewerb war aber auch Spiegelbild des Skisports insgesamt. Nur neun Länder waren am Start, trotzdem brachten nicht einmal diese ausreichend qualifizierte Spitzenleute im Super G an den Start. Kroatien, Land der WM-Königin Janica Kostelic, musste deshalb überhaupt passen, selbst Schweden brachte sich aus diesem Grund um jede Chance. WM-Vizekönigin Anja Pärson stürzte zudem im Super G und damit in der Disziplin, in der sie zwei Wochen davor Weltmeisterin geworden war. Sie trat zum Slalom gar nicht mehr an. Dass es für den partyfreudigen Co-Favoriten USA nur Blech gab, hatte aber andere Gründe: Drei Ausfälle brachten die Amerikaner um jede Medaillenchance.

"Eine Bereicherung"

Athleten und Trainer äußerten sich durchwegs positiv zum Bewerb. "Die Teamatmosphäre ist wirklich etwas Einmaliges. Sonst ist Skifahren ja eher ein Einzelsport", sagte etwa Renate Götschl. "Hier kämpft jeder für jeden, da steht wirklich einer für alle und alle für einen", betonte die Steirerin. ÖSV-Herrentrainer Rainer Gstrein, Kandidat auf die Nachfolge von Kurt Hoch als Damen-Renndirektor der FIS, meinte: "Man muss was Neues ausprobieren im Skisport. Im Super G ist zwar zwischendrin zu viel Zeit vergangen, insgesamt ist dieser Bewerb aber sicher eine Bereicherung."

Die Zukunft des Nationen-Teambewerbes ist offen, 2007 steht er noch nicht im WM-Programm von Aare. Und im Weltcup ist dieser Mixed-Bewerb weiterhin wohl kein Thema, obwohl sich FIS-Präsident Gianfranco Kasper das seit langem wünscht. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel zog in Bormio ein positives Resümee nach der Premiere: "Der Bewerb gefällt mir wirklich gut. Er ist interessant und für eine WM oder Olympia gut geeignet. Wir sind aber weiter dagegen, dass er im Weltcup stattfindet, weil er dort nichts bringt und ein Rennwochenende verloren gehen würde." (APA)

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