Tausende bei Eröffnung von Christos "Die Tore"

12. Februar 2005, 17:23
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Künstler finanzieren das Projekt im Central Park selbst - Hunderte Polizisten bewachten den Projektstart

New York - Vor tausenden Schaulustigen ist Samstag früh (Ortszeit) im New Yorker Central Park das mit Spannung erwartete Großkunstprojekt von Christo und Jeanne-Claude eröffnet worden. Bürgermeister Michael Bloomberg ließ mit Unterstützung der Künstler die erste der safrangelben Stoffbahnen von insgesamt 7500 Toren herab.

Anschließend griffen zahlreiche Helfer zu großen Stangen, um alle Stoffbahnen auf einer Gesamtstrecke von 37 Kilometern von ihren Halterungen zu lösen und im Wind wehen zu lassen. Durch das Projekt "Die Tore" - es ist das größte Freiluftkunstwerk in der Geschichte der Millionenstadt - verwandelte sich der bekannteste Stadtpark Amerikas in ein Netz goldener Ströme aus Stoff. Aus Furcht vor Anschlägen sind zum Schutz der 16 Tage dauernden Verhüllungsaktion hunderte Polizisten im Einsatz.

Auf die Verwirklichung ihrer "Tore"-Idee hatten Christo und Jeanne-Claude mehr als 25 Jahre warten müssen. Die beiden 69 Jahre alten Künster, die unter anderem mit der Verhüllung des Reichstags in Berlin Weltruhm erlangten, sprachen am Vorabend des Projektstarts von einem "goldenen Dach", das über den Wegen des berühmtesten Parks Amerikas "warme Schatten" werfe. Allerdings werde sicher jeder Betrachter seine eigene subjektive Vision und Deutung des Kunstwerkes haben.

Bloomberg sagte, das Kunstereignis werde tausende Besucher nach New York locken und der Stadt Millionen Dollar an zusätzlichen Einnahmen verschaffen. Es liege in der Natur der Sache, dass innovative Kunst wie "Die Tore" auch kontroverse Debatten provoziere. Bloomberg ist der erste New Yorker Bürgermeister, der sich voll und ganz für das Vorhaben einsetzte und die behördlichen Genehmigungen durchsetzte.

Hunderte Polizisten zu Fuß, auf Pferden, mit Motorrollern, Autos und Hubschraubern bewachten den Projektstart. Auch für die Kosten des enormen Sicherheitsaufgebots kommt allein das Künstlerehepaar auf. Christo und Jeanne-Claude betonten vor Journalisten, dass sie aus grundsätzlichen künstlerischen und ethischen Erwägungen keinerlei geldwerte Zuwendungen der Stadt angenommen hätten. Auch Angebote von Sponsoren seien strikt zurückgewiesen worden.

Alle Kosten in einer Gesamthöhe von rund 20 Millionen Dollar (15,5 Millionen Euro) sollen aus dem Verkauf von Christos Zeichnungen, Modellen und Collagen des Projekts "Die Tore" gedeckt werden. Die New Yorker Behörden rechnen damit, dass mindestens 200.000 Touristen aus aller Welt anreisen, um "Die Tore" zu erleben. Nach 16 Tagen wird das Kunstwerk abgebaut. Sämtliche Tore werden wiederverwertet. Die Vergänglichkeit ihrer Kunst, erklärten Christo und Jeanne-Claude, mache diese um so eindrucksvoller.

Der Stoff für das Großkunstwerk ist in einer Weberei in der westfälischen Ortschaft Emsdetten hergestellt worden. Christo und Jeanne-Claude griffen damit bereits zum dritten Mal auf die Dienste der 132 Jahre alten Traditionsweberei Schilgen zurück. Dort wurden vor zehn Jahren auch die Hülle für den Reichstag in Berlin sowie 1998 das Gewebe für die 178 verhüllten Bäume im schweizerischen Riehen hergestellt. (APA/dpa)

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