Österreichische Anerkennung "ist einfach nicht alles"

11. März 2005, 10:47
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Für die Koordinatorin der "Open University", Sarah Zyhlarz Shaw, ist die internationale Akkreditierung von Lehrangeboten ein wichtigeres Qualitätsmerkmal

"Wenn ich vor fünf Jahren von Akkreditierung gesprochen habe, da hab ich nur leere Gesichter gesehen. Keiner hatte eine Ahnung, wovon ich rede", erzählt Sarah Zyhlarz Shaw von der Open University Business School (OUBS).

Anfang der 1980er-Jahre an der in England seit 1969 bestehenden Open University gegründet, wurde 1992 das Wiener Büro der OUBS eingerichtet. In 44 Ländern werden mittlerweile knapp 30.000 Studierende betreut, und das mit etwa 250 Kursen und Lehrangeboten.

"Wir sind durch unseren Status als staatliche englische Universität weltweit anerkannt", fährt Shaw fort, "so auch in Österreich - aber eben nicht durch ein österreichisches Gesetz." Es gebe hier entweder österreichische staatliche Unis oder Universitäten, die durch das Privatuniversitätsgesetz akkreditiert sind. Für Shaw sagt das aber wenig über Qualitätskontrolle aus: "Ich würde nicht sagen, dass es nichts mit Qualität zu tun hat, aber es gab in der Vergangenheit Fälle, wo Institutionen in Österreich anerkannt waren und sonst nirgendwo in der Welt."

Es gehe bei dieser Anerkennung darum, ob man einen Titel tragen darf. "Das ist einfach nicht alles, worauf man schauen sollte." Wichtiger sei die internationale Anerkennung, die sie genau drei Gesellschaften entsprechend qualitätsvoll zugesteht: der amerikanischen Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB) sowie der Association of MBAs (AMBA) und der European Quality Improvement System (EQUIS).

Erwartungen erfüllen

Letztere sei besonders interessant. So lege EQUIS Wert auf die Qualität von Tutoren und den Studentenkontakt und achte außerdem darauf, wie die Industrie in die Entwicklung von Kursen eingebaut wird. "Die schauen sich auch an, wie international die Lehrenden wirklich sind: Es ist nicht genug, mit hochkarätigen Namen oder mit zig Partner-Unis weltweit zu werben." Die Frage sei, "was das einem Studenten in Österreich bringt, wenn ich einen Partner in Asien habe: Kommen die Professoren nur mal für ein Wochenende her, oder sind die wirklich in das Programm eingebaut?"

Die Unterschiede der Akkreditierung würden klar, wenn man die Zahl der zertifizierten Business-Schools hernehme: "EQUIS akkreditiert derzeit etwa 80 Schulen weltweit, AACSB 950." Und, so Shaw stolz: "Unter 21 Unis weltweit und als einzige in Österreich ist die Open University dreifach akkreditiert." (Bernhard Madlener/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.2.2005)

  • Sarah Zyhlarz Shaw verlangt von akademischen Titeln mehr als die Führbarkeit in Österreich.
    foto: standard/hendrich

    Sarah Zyhlarz Shaw verlangt von akademischen Titeln mehr als die Führbarkeit in Österreich.

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