Rektor Kramer im Interview: Master ist "keine Jobgarantie"

14. November 2006, 16:10
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Der neue Rektor der Donauuni Krems im STANDARD-Interview über Stärken und Ausbau­möglichkeiten seiner Institution: Unter anderem soll die Forschung verstärkt werden

Standard: Warum sind Sie, wie Ihr Vorgänger, nicht Mitglied der Rektorenkonferenz?

Kramer: Die Rektorenkonferenz hat im Jahr 2002, als das Uni-Gesetz kam, beschlossen, dass alle dort erwähnten Unis ihren Rektor entsenden können. Das traf auf uns nicht zu und geschah vor allem, um Privatunis auszuklammern. 2004 haben wir das Donauuniversitätsgesetz bekommen. Ich stelle den Antrag, sobald wir alle Voraussetzungen erfüllen. Dabei setzen wir auf die Berufung von 13 Professuren und verstärkte Forschung.

Standard: Welche Rolle spielen postgraduale Lehrgänge, wenn im Grundstudium der Magister als Abschluss vermehrt vom niedrigeren Bak abgelöst wird?

Kramer: Man kann sich im Berufsleben zusätzliche Qualifikationen erwerben. Wir nehmen Leute auf, die schon einen akademischen Grad haben, und in Ausnahmen auch solche, die ausreichend Berufserfahrung haben.

Standard: Gibt es jetzt schon Studien, für die das Bak reicht? Kramer: Ja, es ist eine mögliche Eintrittsvoraussetzung.

Standard: Wo liegen die Kremser Stärken, verglichen mit anderen Master-Anbietern?

Kramer: Wir finden in einzelnen Bereichen Konkurrenten. Andererseits haben wir Gespräche für Kooperationen geführt, etwa mit der WU, der TU Wien und der Boku.

Standard: Welche Schwerpunkte setzen Sie in Krems?

Kramer: Ich versuche zuerst, unsere Synergien auszunützen, um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten zu stärken.

Standard: Wie wichtig ist die Forschung? Wird man Mittel von der Ausbildung abziehen?

Kramer: Wir müssen die Ausbildung mehr durch eigene Forschung fundieren, also: ja. Mit der Forschung geben wir in unseren Lehrgängen spezifisches Know-how weiter.

Standard: Sie wollen auch das Doktorat ermöglichen . . .

Kramer: Das ist eines unserer Probleme: Wir können auf Dauer nur Mitarbeiter gewinnen, wenn eine PhD-Möglichkeit besteht. Dabei sind wir auf Kooperationen, etwa mit der Uni Wien, angewiesen. Wenn wir das nicht an Ort und Stelle anbieten, ist das aber nicht so dramatisch.

Standard: Geplant ist die verstärkte Studentenselektion. Eine "Uni der besten Köpfe"?

Kramer: Nein, da kommt dann gleich das Wort "Elite". Wer freiwillig ein postgraduales Studium macht, der gehört zu den ambitionierten Leuten, mit denen wir reden.

Standard: Sichert man sich mit dem Master-Titel einen Job?

Kramer: Wir bauen die Jobvermittlung im Haus weiter aus, sodass unsere Leute ausreichend Angebote bekommen. Solange die Arbeitsmärkte aber so angespannt sind, hat man auch mit einem unserer Titel keine Jobgarantie.

Standard: Als Wifo-Chef haben Sie Politiker und Regierungen beraten: Sind Sie in der nationalen Bedeutung abgestiegen?

Kramer: In dieser Hinsicht schon. Nicht jedoch in der Anforderung an Erfahrung und Innovationsfähigkeit.

Standard: Stehen Sie Politikern weiterhin zur Verfügung? Kramer: Ohne weiteres - aber nicht in der Öffentlichkeit. (DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.2.2005)

Das Gespräch führte Bernhard Madlener
  • Der langjährige Wifo-Chef Helmut Kramer ist seit 1. Februar neuer Rektor an der Kremser Donau-Universität.
    foto: donauuni krems

    Der langjährige Wifo-Chef Helmut Kramer ist seit 1. Februar neuer Rektor an der Kremser Donau-Universität.

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