CNN-Nachrichtenchef tritt nach Streit um getötete Journalisten zurück

14. Februar 2005, 15:40
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Kontroverse über Tötung von Journalisten durch US-Truppen im Irak

Washington - Der Nachrichtenchef des US-Senders CNN, Eason Jordan, ist nach einer Kontroverse um seine Bemerkung, dass das US-Militär im Irak Journalisten getötet habe, zurückgetreten. Jordan war von konservativen Politikern, Journalisten und so genannten Bloggern heftig kritisiert worden. Er wolle nicht dass der US-Sender durch den Streit über ihn beeinträchtigt werde, sagte Jordan am Freitag. Der seit 1982 bei CNN tätige Jordan hatte mehrere Auszeichnungen gewonnen und zuletzt die Nachrichtenbeschaffung im Ausland, besonders in Krisengebieten, geleitet.

Bei einer Diskussion am Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Jänner dieses Jahres sagte Jordan, dass das US-Militär Journalisten tötete. Da von der Debatte keine Aufzeichnung existiert, ist unklar, ob er die US-Soldaten beschuldigte, Journalisten mit Absicht zu töten. Im Irak sind seit Kriegsbeginn 63 Journalisten getötet worden, davon zwölf durch die US-geführten Koalitionstruppen.

Jordan selber sagte gegenüber der Zeitung "Washington Post", er habe lediglich den Unterschied zwischen "Collateral Damage" (Kollateralschaden) und anderen Todesfällen klar machen wollen. Der demokratische US-Abgeordnete Barney Frank habe die 63 im Irak getöteten Journalisten zum "Collateral Damage" eines Krieges gezählt, dem habe er widersprochen. Er habe aber niemals erklärt, dass das US-Militär Journalisten gezielt getötet habe.

Laut dem Direktor der BBC World Services, Richard Sambrook, habe Jordan den Unterschied zwischen dem Tod durch eine Bombenexplosion und dem Tod durch die Schüsse von Soldaten herausstreichen wollen. Wenn das US-Militär im Irak Journalisten mit Aufständischen verwechsle und bei der Arbeit erschieße, sei dies für das Individuum eine gezielte Tötung, habe Jordan argumentiert.

Jordan nannte als Beispiel den Beschuss des Palestine Hotel im April 2003 in Bagdad, bei dem ein Kameramann der Nachrichtenagentur Reuters und ein weiterer des spanischen Senders Telecinco ums Leben kamen. Ein US-Militärsprecher hatte den Beschuss des Hotels, in dem 100 ausländische Korrespondenten untergebracht waren, mit Heckenschützenfeuer aus dem Hotel verteidigt. Weiters nannte Jordan die Tötung eines Reuters-Kameramanns vor dem Abu Ghraib-Gefängnis im Jahr 2003. Nach US-Militärangaben hatte ein Panzerschütze die Kamera mit einem Raketenwerfer verwechselt.

Auf einer eigenen Website ( http://www.easongate.com ) wurde in den vergangenen Tagen eine Kampagne für die Absetzung von Eason Jordan geführt. Zuletzt wurde dort eine Kampagne angekündigt, wonach die bei CNN werbenden Unternehmen kontaktiert werden sollten. Unter dem Titel "Der Preis der Verleumdung" heißt es dort jetzt zum Rücktritt des News-Managers: "Das ist ein Sieg für jeden Soldaten, der dieser Nation ehrenhaft gedient hat. Wir widmen euch diesen Sieg." (APA)

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