Verschiedenheit als kostbares Kapital

11. Februar 2005, 20:09
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Silvia Buchinger, Personalchefin von Hewlett-Packard in Österreich, verfolgt die "Politik der offenen Tür"

...und die MitarbeiterInnen- Fluktuation von nur zwei Prozent im Jahr spricht für die Zufriedenheit mit der Österreich-Variante der HP-Unternehmenskultur.

"Auf den Tag genau sind es vier Jahre, die ich hier als Personaldirektorin tätig bin", freut sich Silvia Buchinger. Denn angefangen hätte die HP-Personalistin und studierte Informatikerin als Softwaretrainerin für SAP und Verantwortliche für die UserInnen-Betreuung im Rahmen dieser Projekte bei Alcatel Austria, bevor sie dort in die Abteilung der Human Resources wechselte.

"Gläserner Schuh"

2001 erfolgte der Wechsel zum Technologieriesen, dessen Kultur im "HP Way" Ausdruck findet und über Vertrauen, Offenheit, Networking sowie die Verpflichtung zu Qualität, Innovation und Flexibilität definiert wird. Eine Grundhaltung, die dem Unternehmen gleich zweimal die Auszeichnung "Gläserner Schuh" für Frauen- und Familienfreundlichkeit eingebracht hat - und aller Wahrscheinlichkeit nach auch als Grund für die Zufriedenheit gesehen werden kann, die Silvia Buchinger selbst ausstrahlt. Die Zahlen sprechen für eine intensive Bemühung um die MitarbeiterInnen: Die jährliche Fluktuation von zwei Prozent und 97 Prozent Karenz-Rückkehrerinnen sind konsequent erarbeitet und machen Hewlett-Packard zu einem attraktiven Arbeitgeber. Und dass HP mit Carlton Fiorina unter weiblicher Führung gestanden habe, würde auch Buchinger entgegenkommen.

Frauen am Ruder

"Wir möchten die Zahl der weiblichen Führungskräfte weiter erhöhen und haben seit Langem paritätische Besetzung in der Führungsebene", so die 40-Jährige. Amüsierter Nachsatz: "Wir versuchen den ,normalen' Umgang in diesem Punkt zu fördern." Überhaupt sehe das Unternehmen die Verschiedenartigkeit der Mitarbeiter als kostbares Kapital, das es gezielt zu fördern und pflegen gelte. Sich selbst bezeichnet Silvia Buchinger als offen: "Vielleicht überfordere ich meine Mitarbeiter manchmal mit zu viel Information", lacht sie. "Ich glaube aber, dass wir viel Spaß miteinander haben." Es sei vorrangig, untereinander Ziele zu vereinbaren, auch die Art der Vereinbarung spiele eine wichtige Rolle, so die HP-Personalchefin. MitarbeiterInnen seien zufriedener, wenn sie sehen, dass ihr Job zum Unternehmenserfolg beitrage, ist Buchinger sicher.

Transparent & flexibel

Transparenz, die sich nicht nur im neuen HP-Gebäude am Wienerberg widerspiegelt, sondern auch in den Arbeitsmodalitäten verankert ist: 31 Arbeitszeitmodelle oder Telearbeitsplätze nur als zwei Beispiele. Am Wienerberg haben sich die MitarbeiterInnen sichtlich eingelebt: In den "E-Clubs" etwa - auf informelle Kommunikation ausgerichtete, mit allen elektronischen "Finten" ausgestattete "Inseln" - herrscht reges Treiben. 40 Prozent der Arbeitsplätze seien mobil und würden je nach Aufgaben und Teamstruktur belegt. Großraumbüros stünden genauso für jedermann offen wie ruhigere, kleinere Raumeinheiten. Die einzelnen Stockwerke sind als "Kontinente" konzipiert und die entsprechenden Räumlichkeiten nach ihren urbanen Zentren benannt. Buchinger: "So können wir am einen Tag ein Meeting in Mexico City und am anderen Tag eines in Tokio abhalten." (Heidi Aichinger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.2./13.2. 2005)

  • Sylvia Buchinger, unter deren Führung HP Österreich bereits zwei Mal den "gläsernen Schuh" eingeheimst hat.
    foto: standard
    Sylvia Buchinger, unter deren Führung HP Österreich bereits zwei Mal den "gläsernen Schuh" eingeheimst hat.
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