Wetten nur mehr mit Ausweis

18. Februar 2005, 16:19
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Die heimischen Buchmacher streiten über den anonymen Wetteinsatz

"Bei uns haben wir nichts Auffälliges feststellen können", hört man aus den Zentralen der österreichischen Buchmacherunternehmen unisono. Auch bei den vom deutschen Skandalschiedsrichter und sonstigen Gerüchterstreuern als faul bezeichneten Partien sei - so die offiziellen Statements - "nichts festzustellen" gewesen. Insgesamt sei ohnehin "nichts bewiesen". Im Übrigen sei es "ein Schiedsrichterskandal, kein Wettskandal".

Um Publizität braucht sich die Branche derzeit nicht zu sorgen. Um die Zukunft möglicherweise schon. Darum treffen sich die größten Player der Branche am kommenden Montag auch zu einem Gipfeltreffen. "Ich will den Gesprächen nicht vorgreifen", sagt Jürgen Irsiegler, Vorstandschef des Marktführers Admiral Sportwetten. Er lässt aber im STANDARD-Gespräch erkennen, dass es dabei sehr wohl darum gehen wird, ob anonymes Wetten bei Österreichs Buchmachern künftig möglich sein soll oder nicht (bei den legalen Wetten, naturgemäß). Das würde auch bedeuten, dass jeder, der beispielsweise in der Trafik einen "Tipp3"-Schein abgibt oder sich in einem Wettbüro nebst einem Achterl Wein auch eine Wette genehmigt, vorher einen Lichtbildausweis herzeigen muss.

Bei Online-Wettanbietern ist eine Identifizierung - zumindest bevor der erste Gewinn ausbezahlt wird - gang und gäbe. Daher fordern die Internetfirmen auch seit Längerem ebensolche Vorschriften für Wettbüros oder Wettcafés. "Wir fordern gleiche Sicherheitsstandards für alle. Der anonyme Wettabschluss und bare Ein- und Auszahlungen sollten nicht mehr möglich sein. Dies sind Strukturen aus dem 19. Jahrhundert und sollten in der heutigen Zeit nicht mehr gelten", wettert etwa Norbert Teufelberger, Vorstand von Betandwin.com, deswegen seit Jahren im Clinch mit dem Buchmacherverband.

Eine generelle Ausweispflicht "wäre Nonsens, der durchschnittliche Wetteinsatz in Österreich liegt doch nur bei elf Euro", hält Helmut Grubmüller, Geschäftsführer des Verbandes, dem entgegen, "zu überlegen wäre eine Identifikationspflicht erst ab gewissen Beträgen."

Entscheidend wird sein, welche Maßnahmen "Tipp3" ergreift. Das System gehört unter anderem den Lotterien, deren Vorstandschef Friedrich Stickler wiederum Präsident des Österreichischen Fußballbundes ist. Stickler war für den STANDARD am Freitag nicht erreichbar. Doch hört man, dass es durchaus in seinem Interesse liege, dass in Österreich nicht Ähnliches passiert wie dem deutschen Schwestersystem von Tipp3, "Oddset", die gehörig abgezockt wurden. Die Deutschen operieren mit der gleichen Software (vom führenden US-Anbieter Scientific Games), rein technisch wäre ein Identifikationssystem möglich, sagen Experten. Dass die Trafikanten über die Zusatzaufgabe jedoch nicht sehr glücklich sein werden, ist auch zu erwarten.

Einig sein dürften sich die Wettanbieter aber darin, dass künftig bei Auffälligkeiten - in extremo: hohe Beträge auf eine absurde Quote in der Erdäpfelliga Süd - die Vereinsführungen möglichst noch vor Spielbeginn kontaktiert werden sollen: "Mein Herren, wir haben guten Grund zu der Annahme, dass das Spiel heute 9:3 ausgehen wird ..." (Leo Szemeliker - DER STANDARD PRINTAUSGABE 12./13.2. 2005)

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    quelle: buchmacherverband
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