Tempo 160: Rotes Licht von Pröll

15. März 2005, 11:01
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Umweltministerium: Gorbachs Vorstoß "unvereinbar mit der Klimaschutzstrategie der Regierung" - Gemeinden drohen mit Blockaden

Wien – Hat sich Verkehrsminister Hubert Gorbach (FP) mit seinem Vorschlag, auf bestimmten Autobahnabschnitten Tempo 160 zuzulassen, in eine politische Sackgasse manövriert? Für Umweltminister Josef Pröll (VP) kommt eine Erhöhung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit jedenfalls nicht infrage, wie er am Freitag betonte. Gorbachs Vorhaben sei mit der Klimaschutzstrategie der Bundesregierung "unvereinbar".

Problembereich

Der Verkehrssektor ist einer der größten Problembereiche bei der Erreichung der Klimaschutzziele. Rund ein Drittel der CO-Emissionen und mehr als die Hälfte der Stickoxidemissionen stammen aus dem Verkehr und nehmen tendenziell weiter zu. "Tempo 160 würde die Belastungen weiter ansteigen lassen und uns noch weiter vom Kyotoziel entfernen", sagte Pröll.

Massiver CO-Anstieg

"Und zwar nicht geringfügig, sondern massiv", erläuterte Ministersprecher Gerhard Popp auf Standard-Anfrage: "Schätzungen der Technischen Universität Graz zeigen, dass bei Tempo 160 im Vergleich zu Tempo 130 der Verbrauch und damit die CO-Emissionen um bis zu 23 Prozent zunehmen." Auch die Partikelemissionen würden in ähnlichem Umfang zunehmen und damit alle Bemühungen um eine Reduktion etwa von Feinstaub zunichte machen.

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Wie berichtet, sind die ersten 160-Teststrecken bereits im kommenden Jahr auf vollausgebauten, dreispurigen Abschnitten der West- und Südautobahn geplant. Mehrere Bürgermeister aus dem Bezirk Mödling haben angekündigt, für diesen Fall die Südautobahn zu blockieren. Der Bürgermeister von Wiener Neudorf, Herbert Janschka (Umweltforum UFO,) fordert seit Jahren eine Reduktion des Tempolimits von 130 auf 80 Stundenkilometer.

Grüne: "Absurd"

Aber nicht nur von Regierungskollegen erhielt Gorbach Schelte. Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen bezeichnete Tempo 160 als "absurd". Er forderte, mehr in den Bildungsbereich zu investieren als in Lärmschutzwände. "Da Gorbach seinen Feldversuch 160 km/h nicht mehr als Minister erleben wird, ist jetzt schon klar, dass wieder einmal andere die Aufräumarbeiten im Nachhinein erledigen werden müssen", setzte Gabriela Moser, Verkehrssprecherin der Grünen, nach.

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures kritisierte den "verantwortungslosen Umgang der Regierung Schüssel mit dem im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtigen Thema Verkehrssicherheit".

Toleranzgrenze

Vizekanzler Gorbach konkretisierte indes anlässlich der Inbetriebnahme der Section Control im Wechselgebiet der A2 seinen Vorschlag. Wichtige Voraussetzungen für Tempo 160 seien Verkehrsbeeinflussungsanlagen, die die Geschwindigkeitsvorgabe bei schlechten Witterungsverhältnissen drosseln und bei guten "nach oben öffnen". Außerdem müsse die Toleranzgrenze drastisch gesenkt werden, so Gorbach. Ihm schwebe eine Toleranzgrenze von "maximal drei Stundenkilometern" vor. (simo, DER STANDARD Printausgabe, 12.02.2005)

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