Zeman: Gross soll zurücktreten

13. Februar 2005, 21:52
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Nicht nur Parteifreunde, auch 61 Prozent der Tschechen wollen, dass Ministerpräsident Gross wegen der Wohnung-Affäre zurücktritt

Nicht nur Parteifreunde, auch 61 Prozent der Tschechen wollen, dass Ministerpräsident Gross wegen der Affäre um seine Luxuswohnung zurücktritt. Nun gerät auch die Ehefrau von Gross zusehends unter Druck.

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Die Causa Prima der tschechischen Innenpolitik, die Affäre um die Umstände des sechs Jahre zurückliegenden Wohnungskaufs von Premierminister Stanislav Gross, hat nun in den Meinungsumfragen ihren Niederschlag gefunden.

Laut einer Befragung, die am Freitag in der Tageszeitung Lidové noviny veröffentlicht wurde, wünschen sich 61 Prozent der Tschechen, dass Gross zurücktritt. Ebenfalls schlechte Noten stellten die Befragten der Gattin des Ministerpräsidenten, árka Grossová, aus.

Grossová war in den letzten Tagen in die Schlagzeilen geraten, weil bisher nicht eindeutig geklärt ist, woher ihre Agentur, die vor allem diverse Wohltätigkeitsveranstaltungen organisiert, sechs Millionen Kronen (umgerechnet 200.000 Euro) für den Kauf eines neuen Firmensitzes hat.

Die Frau der Premiers ist schon früher ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil zu den größten Sponsoren der von ihrer Agentur organisierten Veranstaltungen regelmäßig große staatsnahe Unternehmen, oder auch Firmen gehörten, deren Privatisierung bevorstand. In der gleichen Umfrage sprachen sich knapp 58 Prozent der Tschechen dafür aus, dass die Gattin des Regierungschefs nicht selber unternehmerisch tätig sein sollte. Premier Gross selbst stand vergangenen Donnerstag im Parlament der Opposition Rede und Antwort. Gross wiederholte seine bisherigen Standpunkte, dass er den fehlenden Betrag von 900.000 Kronen (30.000 Euro) von seinem Onkel hatte. Zudem erklärte der Premier, er werde seinen Gegnern nicht den Gefallen tun und zurücktreten.

Zu Wort gemeldet hat sich auch der frühere Regierungschef und Vorsitzender der tschechischen Sozialdemokraten, Milos Zeman. In einem Interview für die Lidové noviny rief er Gross zum Rücktritt auf, weil er dem Land und seiner Partei schaden würde.

Zudem meinte der Expremier, die Affäre um die Wohnung seines einstigen politischen Ziehsohnes hätte längst ein Ausmaß erreicht, das mit dem amerikanischen Watergate-Skandal zu vergleichen ist. "Ich bezeichne die Affäre schon lange als Grossgate", meinte Zeman in dem Interview wörtlich. (Robert Schuster/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.2.2005)

Von Robert Schuster aus Prag
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    Der tschechische Premier Stanislav Gross ist mit Rücktrittsaufforderungen konfrontiert.

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