Aus VA Tech wird im Juli Siemens

23. Februar 2005, 13:43
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Siemens-Österreich- Chef Hochleitner demonstrierte am Tag nach dem Votum für die Übernahme Entschlossenheit. Die Marke VA Tech wird verschwinden

Wien - "Die Geschichte mit der Wahrheit ist ordentlich in die Hosen gegangen." Als sich Siemens-Österreich-General Albert Hochleitner am Tag nach der 90,94-prozentigen Zustimmung zur VA-Tech-Übernahme durch deren Aktionäre den Fragen der Journalisten stellte, war jene nach der Gültigkeitsdauer seiner Aussagen natürlich auch dabei. "Ich sage fast immer die Wahrheit. Heute sage ich auch die Wahrheit", betonte Hochleitner, ehe er Pläne und weitere Vorgangsweise bei der VA Tech skizzierte.

Gleich vorweg: Richtig zupacken kann Siemens beim Anlagenbau- und Energietechnikkonzern vermutlich erst am 20. Juli, dann müssen die EU-Kartellwächter mit ihrer Wettbewerbsprüfung spätestens fertig sein. Einen Vorgeschmack, was der VA Tech blühen wird, gab es freilich. Siemens will die 995 Millionen Euro, die sie für die VA Tech ausgibt, in sieben Jahren zurückverdient haben.

"Viele Ressourcen doppelt und dreifach"

In längstens fünf Jahren soll der teils schwachbrüstige, aber mittlerweile wieder auf vollen Auftragsbüchern sitzende Konkurrent auf das Profitabilitätsniveau von Siemens getrimmt sein. So genannte Synergien sollen bereits früher gehoben werden, nicht nur zwischen den beiden Firmen, sondern insbesondere zwischen den vier VA-Tech-Sparten. "Die haben viele Ressourcen doppelt und dreifach, weil die vier Säulen doch sehr eigenständig sind", sagte Finanzvorstand Peter Schönhofer. "Shared Services" sollten die Kosten um 20 Prozent senken, sparen ließe sich auch bei der Holding-Struktur, für die es unter dem Siemens-Dach wohl keinen Bedarf mehr gebe.

Mit der Übernahme verdoppelten sich zwar Umsatz und Beschäftigte, räumte Schönhofer weiters ein, nicht aber das Ergebnis. Ziel sei daher mittelfristig, also bis 2010, die VA Tech in die Lage zu versetzen, "fünf bis sechs Prozent des EGT" zu verdienen.

Keine ernsthaften Auflagen oder Probleme erwartet Siemens bei der anstehenden Prüfung durch die EU-Wettbewerbsbehörden. Kernpunkt der Prüfung sei die VA-Tech-Wasserkraftwerkssparte (Hydro), für die es im Prinzip drei Möglichkeiten gebe (DER STANDARD berichtete): Siemens steigt aus dem Joint Venture mit dem schwäbischen Anlagenbauer Voith aus und behält VA Tech Hydro. Zweitens der Verkauf von VA Tech Hydro an Voith-Hydro (an der Siemens 35 Prozent hält, Anm.) oder drittens: Siemens zieht sich aus dem Sektor komplett zurück. Hochleitner präferiert Variante I, wobei Voith insofern ein Vorrecht hat, als jeder Siemens-Zukauf in dieser Sparte dem Gemeinschaftsunternehmen angedient werden muss (Konkurrenzverbot).

Mit großartigen Auftragseingängen ist angesichts dieser Unsicherheiten daher nicht zu rechnen, was in ein bis eineinhalb Jahren zu einem Problem werden könnte, denn dann sinkt die Auslastung und Arbeitsplätze kommen unter Druck.

Außerordentliche Hauptversammlung

Bis aus Brüssel grünes Licht kommt, hat Siemens keine Möglichkeiten, operativ in die VA Tech einzugreifen. Da es bis zur Hauptversammlung am 20. Mai, wo sieben Aufsichtsratsmandate auslaufen, noch sehr lang ist, will Hochleitner in einer außerordentlichen HV dem 16,45-Prozent-Anteil entsprechend in den Aufsichtsrat: "Wir gehen davon aus, dass wir wenigstens die zwei Sitze der Kovats-Gruppe bekommen."

Fix ist auch, dass der Dachname VA Tech verschwinden wird. Die Namen der operativen Gesellschaften hingegen könnten bleiben, sie seien wertvolle Marken. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./23.2.2005)

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    Siemens Österreich-Chef Albert Hochleitner kann ohne die Freigabe der Brüsseler Kartellwächter nicht operativ in die VA Tech eingreifen.

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