Banges Warten auf Stromstoß durch Siemens

23. Februar 2005, 13:43
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Bis Sommer soll es für den Linzer Anlagenbaukonzern ein Standort- und Industriekonzept geben

Wien - Noch ist nur in groben Zügen bekannt, wie Siemens mit den deutlichen Überlappungen bei Absatzmärkten und Standorten umgehen wird, die sie mit ihrem Übernahmekandidaten VA Tech aufweist. Bis zum Sommer soll alles klar sein.

Klar ist derzeit nur: Siemens Österreich ist am meisten an der ElinEBG interessiert, die das Infrastrukturgeschäft macht - von Gebäudetechnik bis zur Ausrüstung komplexer Industrieanlagen. Dass Siemens dieses Geschäft zur Gänze in die Bacon einbringen könnte, wie in Siemens-Kreisen kolportiert wird, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Das sei allenfalls für die Gebäudetechnik denkbar, denn Siemens sei an Bacon nur mit 50 Prozent beteiligt, müsste den Großteil also mit einem Partner teilen. Offen ist auch, wie mit den ElinEBG-Ablegern in Polen, Ungarn und Tschechien verfahren wird. Sie gehören nämlich nicht zum Einflussbereich der Siemens-Österreich-Gruppe.

Teile der ElinEBG dürften daher ebenso in die Konzernverantwortlichkeit des Stammhauses in München wandern, wie dies bei der Energietechniksparte T&D der Fall ist und beim Industrieanlagenbau VAI in Linz, der dem Übernahmeangebot zufolge innerhalb der Siemens Industrial Solutions & Services (I&S) ein Kompetenzzentrum in Österreich bleiben soll.

Unsicherheitsfaktor Kartellprüfung

Dramatisch könnte sich eine lange EU-Kartellprüfung indes für den Kraftwerksbau (VA Tech Hydro) auswirken. Denn so lang nicht geklärt ist, ob ihn Siemens behält bzw. wer ihn kauft, dürften Auftraggeber zögern, ein Milliardenprojekt zu vergeben. Problematisch ist dabei nicht die Technik, sondern die Garantien. Ein Loch im Auftragseingang würde zeitverzögert in rund 18 Monaten voll durchschlagen, Ertragsprobleme wären die Folge.

Völlig bedeckt gibt sich Siemens, was den durch die Hebung von Synergieeffekten induzierten Personalabbau betrifft. Laut der Stellungnahme des VA-Tech-Vorstands vom Dezember sind von den Überschneidungen in den Geschäftsbereichen rund drei Viertel des VA-Tech-Umsatzes betroffen, also drei Milliarden Euro. "Daraus kann möglicherweise ein beträchtlicher Personalabbau resultieren", gab das Management damals zu bedenken.

Von der "Landkarte" verschwinden wird VA Tech T&D (Energieübertragung und -verteilung). Sie soll in Siemens Power Transmission & Distribution (PTD) bzw. in Siemens-Österreich aufgehen. Herzstücke sind sicher die Ableger in Frankreich und Großbritannien, wo Siemens nach eigenen Angaben "aus historischen Gründen schlecht ist", wie Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer Ende Jänner einräumte.

Sonderfall Weiz

Siemens-Österreich-Chef Albert Hochleitner beteuerte am Freitag erneut, dass die VA Tech nicht übernommen werde, um sie vom Markt zu nehmen, diesen also zu bereinigen: "Das wäre wahnsinnig teuer und kein Vergnügen." Nein, die VA Tech passe gut in die Wachstumsstrategie des Siemens-Konzerns.

Ein Sonderfall ist der Standort Weiz, wo Hydro und T&D in der Generatoren- und Transformatorenfertigung eng verwoben sind. Es gibt zwar eine unbefristete Standortgarantie, die Arbeitsplätze sind aber nur für 18 Monate gesichert. "Gerade so lang, wie die Auslastung sowieso unstrittig und gesichert ist", ätzt ein Arbeitnehmervertreter. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.2.2005)

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    Muss noch bei der VA Tech ausharren, bis er abgefertigt wird: Klaus Sernetz

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