Praktikantenstopp für Wiener Psychologen dauert an

17. Februar 2005, 20:04
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Dekanin Spiel: Noch keine schriftliche Zusage des Ministeriums - Sektionschef Höllinger versichert: Die Uni wird das zugesagte Geld bekommen

Wien – "Das Ganze ist lang nicht so gut wie es ausschaut", sagt Christiane Spiel, Dekanin der Fakultät für Psychologie, in Hinblick auf die Zusage des Ministeriums, die Kosten der Sozialversicherungen für Praktikanten zu übernehmen. Der Praktikantenstopp an ihrer Fakultät (derStandard.at/Uni berichtete) sei nicht vom Tisch. Es gebe noch keine schriftliche Zusage, und "das Ministerium hat gar keine Geldmittel verfügbar. Jetzt wird mit dem Finanzministerium verhandelt".

"Die Uni wird das zugesagte Geld bekommen", stellt Sektionschef Sigurd Höllinger klar. "Aber wie wir es beschaffen, ist unser Problem."

Damit sei es nicht getan, meint Spiel, und verweist auf den drohenden Verwaltungsaufwand. "Die Gelder müssten in Verhandlung mit jeder einzelnen Praktikantenstelle abgewickelt werden. Wir sind dazu sicher nicht in der Lage." Es sei Aufgabe des Ministeriums, eine "qualifizierte Person" zur Verfügung zu stellen. Ob die Studenten also im März ihre Praktika beginnen können, "bin ich mir nicht sicher. Da das Finanzministerium keine unklare Summe für alle bewilligen wird", müsste ein Teil der Praktikanten möglicherweise auf das Wintersemester vertröstet werden. "Es sollten sich aber keine Verzögerungen ergeben – man kann das Praktikum jederzeit im zweiten Abschnitt machen", zeigt sich Spiel optimistisch.

Dass sich die Zusicherung des Ministeriums nur auf Pflichtpraktika und nicht auf jenes zum Klinischen Psychologen bezieht, ist der zweiten ÖH-Vorsitzenden Patrice Fuchs ein Dorn im Auge. "Denn den Titel ,Klinischer Psychologe‘ bekommt man ohne das Praktikum nicht, daher gehört es zum Studium dazu. Jeder sollte diese Richtung einschlagen können." Dass die klinische Psychologie eines der "wichtigsten" Berufsfelder der Absolventen ist, weiß auch Höllinger. Dennoch: "Die Zusage gilt für Praktika im Studium." Man werde die Frage von Anschlusspraktika in Hinblick auf die Versicherungspflicht aber "beraten".

Für Fuchs ist klar, dass das Ministerium "gewissenhaft genug" sein sollte, die Zusage für Pflichtpraktika und jenes zum Klinischen Psychologen zu garantieren: "Alles andere wäre ein Fiasko." (Bettina Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.1.2004)

  • Die Dekanin des Wiener Instituts für Psychologie, Christine Spiel, will der Ankündigung des Ministeriums noch nicht so recht trauen.
    foto: standard/hendrich

    Die Dekanin des Wiener Instituts für Psychologie, Christine Spiel, will der Ankündigung des Ministeriums noch nicht so recht trauen.

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