Eurofighter fliegen nur bei Tag

22. Februar 2005, 15:22
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Neuer Sparplan des Verteidigungs­ministeriums: nächtliche Luftraumverletzungen unbestraft - Software wird doch gekauft

Aufregung um den STANDARD-Bericht vom Freitag über Pläne des Heeres, auf für den Auslandseinsatz wichtige Teile der Luftstreitkräfte zu verzichten: Der Eurofighter werde nun doch voll ausgerüstet, versichert das Ministerium.

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Wien – Das Verteidigungsministerium hat am Freitag einen Bericht des STANDARD bestätigt, nach dem eine Planungsgruppe des Bundesheeres einen Verzicht auf wichtige Softwarekomponenten für mögliche Kampfeinsätze des Eurofighters vorgeschlagen hatte.

Allerdings seien diese Planungen zwei Monate alt und "mit Stand Februar 2005" in diesem Punkt überholt. Endgültiges werde während der "Steuerung der Realisierung" im dritten Quartal 2005 beschlossen.

Der Truppe wurde überhaupt noch nicht mitgeteilt, was Sache ist: Der Kommandant der Luftstreitkräfte, Generalmajor Erich Wolf, bekommt die seine Truppenteile betreffenden Planungsunterlagen dem Vernehmen nach am kommenden Donnerstag – das wesentliche Faktum, dass sein Kommando in Langenlebarn aufgelöst wird, ist bereits vor zwei Wochen offiziell bekannt gegeben worden.

Die Details, die auf die Fliegerkräfte zukommen, bergen noch eine Reihe von Überraschungen. So sieht das Planungspapier vor, dass "die Entsendung eines verlegefähigen Radars zu einem Auslandseinsatz ... weitgehend ausgeschlossen" ist, auf einen Forward Air Conroller (FAC) – eine Führungsfunktion für Einsätze von Flugzeugen in internationalen Operationen – wegen der hohen Ausbildungskosten verzichtet wird und "auf die ca. 20 Luftraumverletzungen, die derzeit jährlich außerhalb der Dienstzeit des Jagdflugzeugs beobachtet werden, nicht aktiv reagiert werden kann", weil Nachtflüge nur im Falle einer vorher erkannten Bedrohungslage vorgesehen sind.

Im Klartext hieße das, dass die Eurofighter nicht nur keine Auslandseinsätze fliegen könnten, sondern in Friedenszeiten zumindest bei Nacht bloß "Dienst nach Vorschrift" fliegen sollen.

All das sei "selbstverständlich" nicht fix, das heiße nicht, "dass das auch so umgesetzt wird", sagte ein Sprecher von Minister Günther Platter.

SPÖ und Grüne hoffen, dass nichts fix ist und der gesamte Eurofighter-Kauf rückgängig gemacht wird.

"Der Eurofighter wird nach diesen Planungen das teuerste denkbare Gerät für Militärfotografie", spottet etwa Grünen-Abgeordneter Peter Pilz: "Wenn wir jetzt, bevor die ersten österreichischen Eurofighter gebaut wurden, aus dem Vertrag aussteigen, entstehen Stornokosten von nicht mehr als 30 Millionen Euro. Das ist wenig verglichen mit dem Schaden von zwei Milliarden, die wir sonst zahlen müssten." (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.1.2005)

  • Das Radarsystem Goldhaube soll weniger können, weil Österreich ohnehin von (als befreundet angenommenen) Nato-Staaten umgeben ist - Radar für Auslandseinsätze gäbe es nicht mehr.

    Das Radarsystem Goldhaube soll weniger können, weil Österreich ohnehin von (als befreundet angenommenen) Nato-Staaten umgeben ist - Radar für Auslandseinsätze gäbe es nicht mehr.

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