Dresden: Weiße Rosen gegen braune Töne

13. Februar 2005, 16:20
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Sachsen bangt um sein Image: Zum Gedenken an die Bombardierung Dresdens wollen tausende Rechtsextreme anreisen

Sachsen bangt wieder um sein Image. Zum Gedenken an die Bombardierung Dresdens vor 60 Jahren wollen am Sonntag auch tausende Rechtsextreme anreisen. Künftig will die Regierung deren Aufmärsche erschweren.

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Weiße Rosen und Kerzen sollen die Dresdner am Sonntag mitbringen. Denn in der sächsischen Landeshauptstadt geht es an diesem 13. Februar nicht nur um das Gedenken, sondern auch um den Kampf der besten Bilder – jener Bilder, die am Jahrestag in alle Welt gehen werden.

Möglicherweise steht der sächsischen Landeshauptstadt der größte Aufmarsch von Rechtsextremisten in der Geschichte der Bundesrepublik bevor. Diese Bilder wollen die meisten Dresdner nicht.

Also hat Ministerpräsident Georg Milbradt wieder einmal zum "Aufstand der Anständigen" aufgerufen. Auch der Bürgermeister von Dresden, Ingolf Roßberg, betont in diesem Zusammenhang: "Wenn wir am 13. Februar der Opfer der Zerstörung unserer Stadt gedenken, so erinnern wir gleichzeitig an die Vorgeschichte dieses entsetzlichen Ereignisses, insbesondere an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft".

Tief sitzt die Angst, dass die NPD am Gedenktag wieder ihre Parolen vom "Bomben-Holocaust der Alliierten" verbreiten und so den Nationalsozialismus verharmlosen könnte – wie es vor einigen Wochen bei einer Feierstunde im sächsischen Landtag geschehen ist.

Schon am Vormittag, beim offiziellen Gedenken am Heidefriedhof, wo die meisten Opfer von damals begraben sind, gelten schärfste Sicherheitsmaßnahmen. Polizisten aus fünf Bundesländern sollen dann ab Mittag in der Innenstadt Krawalle und Chaos verhindern. Wie jedes Jahr hat die rechtsextreme "Junge Landsmannschaft Ostpreußen" einen "Trauermarsch" für die deutschen Opfer angemeldet.

Nach dem Erstarken der NPD rechnet man in Dresden diesmal mit besonders vielen Teilnehmern. Auch die linksextreme Szene plant eine Kundgebung und wendet sich mit dem Slogan "No Tears for Krauts" (Keine Tränen für Deutsche) gegen das "bürgerliches Gedenken".

Glockengeläut

Wenn es dunkel wird, sollen sich die Dresdner vor der berühmten Semperoper versammeln und aus tausenden Kerzen das Bild einer großen Kerze bilden. Ab 21.45 Uhr, jenem Zeitpunkt, an dem vor 60 Jahren die Angriffe begannen, läuten dann in ganz Dresden die Kirchenglocken.

Künftig will die Bundesregierung Aufmärsche von Rechtsextremen erschweren. Innenminister Otto Schily und Justizministerin Brigitte Zypries haben eine Initiative vorgestellt, die noch vor dem 60. Jahrestag des Kriegsendes (8. Mai) Gesetz werden soll. Aufmärsche an politisch sensiblen Orten wie dem Holocaust-Mahnmal oder ehemaligen Konzentrationslagern wären dann nicht mehr möglich.

Auch wird die Verherrlichung von Nazi-Politikern unter Strafe gestellt, nicht mehr nur das Leugnen des Holocausts. Allerdings räumen Schily und Zypries ein, dass damit Demonstrationen von Rechtsextremen am Brandenburger Tor noch nicht sicher unterbunden werden können. (DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.1.2005)

Birgit Baumann aus Berlin
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    Dresen: Weiße Rosen gegen Neonazi-Aufmarsch

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