Großer Appetit auf Slalom-Gold

12. Februar 2005, 11:02
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Stärkstes Slalom-Team der Welt fordert "Solisten" aus aller Welt - Raich hat heute die Chance auf seine vierte Medaille in Bormio

Bormio - Österreichs Ski-Herren, die bisher in vier Bewerben sechs Medaillen abräumten, haben auch am Samstag im Herren-Slalom Appetit auf Gold. Zwei Tage nach dem Doppeltriumph im Riesentorlauf durch Hermann Maier und Benjamin Raich will das ÖSV-Quartett im letzten Einzelbewerb der Titelkämpfe den Erfolgsrun prolongieren. "Wir sind das stärkste Slalomteam der Welt, aber die Konkurrenz mit den 'Solisten' wie Miller, Rocca, Palander oder Kostelic ist entsprechend groß", weiß ÖSV-Techniktrainer Gert Ehn vor dem Saisonhighlight der Stangenartisten.

Revanche für St. Moritz

Manfred Pranger, Rainer Schönfelder, Benjamin Raich und Mario Matt, der nach überstandener Grippe starten wird, sinnen nach Revanche für Rot-Weiß-Rot, denn bei der vergangenen WM 2003 in St. Moritz hatte man sich mit den undankbaren Plätzen vier (Raich) und fünf (Pranger) zufrieden geben müssen. Benni Raich bietet sich die Chance, bereits seine vierte Medaille im Rahmen der WM 2005 zu holen.

Pranger voller Selbstvertrauen

Manfred Pranger, Triumphator der jüngsten beiden Weltcup-Slaloms in Kitzbühel und Schladming, ist nach mehr als zweiwöchiger Rennpause bestens erholt und voll gepumpt mit Selbstvertrauen am Montag in Bormio eingetroffen. Zum WM-Topfavoriten lässt sich der Tiroler trotz seines Doppelschlages aber nicht abstempeln: "Die WM hat ihr eigenes Gesetz. Für mich sind die Läufer, die hier in Bormio schon etwas erreicht haben, die großen Favoriten. Die können locker drauflos fahren."

Die Pause hat dem Gschnitzer sehr gut getan. "Ich war sehr müde, da ich mich aus einem großen Tief heraus gearbeitet hatte. Das hat Substanz gekostet. Die Pause war toll. Ich hatte Zeit, um in meiner Wohnung zu sitzen und mir die beiden Pokale anzuschauen - einfach toll." Mit scheinbar plötzlich gewonnener Nervenstärke und Lockerheit hatte Pranger seine ersten Weltcup-Erfolge gefeiert, genau so will er auch bei der WM an die Sache rangehen. "Ich bin sicher, dass ich nicht wieder rückfällig werde. Ich bin froh, dass ich da bin und will nur locker fahren."

Schönfelder: "Lust auf mehr"

Slalom-Weltcup-Sieger Schönfelder hat Appetit auf seine erste Medaille bei einem Großereignis. "Wenn man sieht, wie die Kollegen die Medaillen abholen, dann macht das Lust auf mehr." Auch wenn der Kärntner stets betont, dass er ein Großereignis nicht überbewerten möchte, da in punkto Konstanz eine "Kristallkugel" weitaus mehr wert ist. "Aber Weltmeister zu sein, ist schon eine gute Geschichte."

"Ich habe viel probiert in dieser Saison und oft hatte ich nicht das notwendige Glück. Wenn das am Samstag zurückkommt, würde ich 'Danke' sagen", betont Schönfelder. Wenn er zwei perfekte Läufe ins Ziel bringt, ist sich Schönfelder sicher, dass ihn niemand schlagen kann: "Dann werde ich Weltmeister."

Raich perfekt in Form

Benni Raich darf sich bereits Weltmeister nennen, der Tiroler hat Kombi-Gold und zudem Silber im Riesentorlauf und Bronze im Super G geholt. Der Tiroler hat die Verkühlung längst überwunden und weiß um seine Stärke: "Vor der WM war ich gut in Form, jetzt bin ich perfekt in Form." Sein bis dato letzter Ausfall ist beinahe ein Jahr her (Kranjska-Gora-Slalom, 29. Februar 2004), das führt Raich auf sein perfektes Umfeld zurück: "Das Team arbeitet perfekt, vom Servicemann über die Trainer bis hin zur Familie."

Matt fieberfrei

Mario Matt, Slalom-Weltmeister 2001 in St. Anton, musste die Tage vor dem Slalom mit Fieber im Bett verbringen, seit Freitag ist der Tiroler wieder fieberfrei. Der ÖSV gab Entwarnung, der Ersatzmann Kurt Engl musste doch nicht anreisen.

Flacher, tückischer Kurs

Der Kurs in Bormio ist laut Ehn eher flach, aber dafür tückisch: "Er gehört nicht zu den schwierigsten Kursen. Es wird entscheidend sein, im flachen Teil am schnellsten zu sein. Der Schnee ist schwierig, Gefühl und Kraft sind notwendig." Genauso wie die Fähigkeit, am "Tag X" top zu sein. "Man muss auf diesen Tag optimal eingestellt sein. Ich glaube, dass unsere Burschen in der Lage sind, diese spezielle Situation gut zu bewältigen. Wenn man so einen großen Titel gewinnen will, muss man zeigen, dass man ein Klassemann ist. Entweder man hat das gewisse etwas, oder man hat es nicht." (APA)

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    Die Hoffnungen des italienischen Anhangs ruhen vor allem auf Giorgio Rocca.

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