Vor der Grammy-Vergabe: Kanye West großer Favorit

13. Februar 2005, 23:17
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Österreichische Hoffnungen am-Klassik Sektor

Los Angeles - Stars des HipHop sowie des Rhythm & Blues wollen in der Nacht zum Montag bei der diesjährigen Grammy-Show den Siegeszug ihrer Musik in Amerika feiern. Als großer Favorit geht der Rapper und Musikproduzent Kanye West mit insgesamt zehn Nominierungen in das Rennen um die begehrtesten Musikpreise der Welt.

Während Pop und Classic-Rock eher ein Schattendasein fristen, können die R&B-Stars Alicia Keys und Usher dem derzeit erfolgreichsten HipHoper knapp das Wasser reichen. Sie bekamen von den "Grammy-Machern", den Mitgliedern der US-Musikakademie, jeweils acht Nominierungen.

Sieben Mal wurde der im Juni gestorbene Soul-Superstar Ray Charles posthum mit Grammy-Anwartschaften geehrt. Die Preise für musikalische Bestleistungen des Jahres 2004 werden Sonntagabend bei einer Gala in Los Angeles vergeben, die nach mitteleuropäischer Zeit am frühen Montagmorgen um 2.00 Uhr beginnt.

"College Dropout", "Confessions", "American Idiot"

Der 26-jährige Kanye West erhielt seine Spitzenzahl von Nominierungen - darunter in der prominentesten Grammy-Kategorie "Album des Jahres" - vor allem für seine Erfolgs-CD "The College Dropout". Er sei überglücklich, sagte der Rapper, der sein Hitalbum produzierte, nachdem er sich von den Folgen eines Verkehrsunfalls erholt hatte, bei dem er Ende 2002 fast ums Leben gekommen wäre.

Die Musik für sein Album habe er mit den Grammys vor Augen eingespielt, bekannte West. Seine Songs unterscheiden sich von vielen anderen HipHop-Titeln auch durch den Verzicht auf allzu deutliche Anspielungen auf Sex und Kriminalität. Der Rapper aus Chicago war kürzlich bei der Vergabe der American Music Awards übergangen worden, die als die zweitwichtigsten US-Musikpreise gelten.

Keys und Usher erhielten ihre Nominierungen für ihre Hit-Alben "The Diary of Alica Keys" und "Confessions". Ray Charles wurde für das Album "Genius Loves Company" bedacht, das der Schöpfer der Soul-Musik wenige Monate vor seinem Tod mit einer Reihe amerikanischer Stars eingespielt hatte.

Die Band Green Days geht mit sechs Nominierungen für ihr Rock-Punk-Album "American Idiot" ins Grammy-Rennen. In ihren Songs nehmen die drei Punker das konservative Bush-Amerika kräftig auf die Schippe. Jeweils fünf Gewinnchancen haben die Jazz-Pianistin und -Sängerin Norah Jones, die Country-Veteranin Loretta Lynn, der Funk-Rocker Prince und der Toningenieur Al Schmitt.

Hoffnungen auf Grammy-Ehren können sich neben vielen anderen auch John Mayers, Sheryl Crow, Paul McCartney und Eric Clapton als Duo, Metallica und Nickelback machen. In das Rennen um den Grammy für das beste Rockalbum des Jahres gehen neben Green Day mit "American Idiot" auch Elvis Costello mit "The Delivery Man", The Killers mit "Hot Fuss", Velvet Revolver mit "Contraband" und Hobastank mit "The Reason".

Salzburger Geiger kann hoffen

Bei der Grammy-Verleihung werden auch Auszeichnungen in zahlreichen Klassik-Kategorien vergeben. Während die im Vorjahr ausgezeichneten Wiener Philharmoniker diesmal keine Nominierung erhielten, kann sich heuer der Salzburger Geiger Thomas Zehetmair Hoffnungen machen: Er ist in der Kategorie "Beste instrumentale Soloperformance" für seine Aufnahme der Violinsonaten Op. 27 von Eugene Ysaye (ECM New Series) nominiert. Der künstlerische Leiter der Innsbrucker Festwochen, René Jacobs, ist gleich dreifach im Rennen - u.a. als Dirigent von "Le Nozze di Figaro" mit dem Concerto Köln, eine Produktion, in der auch die Salzburger Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager mitwirkt.

Viele deutsche Künstler und Produzenten haben gute Chancen in den Klassik-Kategorien. Einmal mehr gehören der Bass-Bariton Thomas Quasthoff und der Produzent Manfred Eicher dazu. Quasthoff hatte letztes Jahr mit Schubert-Liedern seinen zweiten Grammy gewonnen. Nun tritt der 45-Jährige in der Kategorie "Beste klassische Gesangsdarbietung" mit seiner CD "A Romantic Songbook" an, für die er bei der Deutschen Grammophon Lieder von Strauss, Schumann, Schubert und Mendelssohn aufnahm. Eicher kann sich wieder Hoffnungen auf den Grammy für den besten Klassik-Produzenten machen. Der Gründer des Münchner Labels ECM hatte den Preis 2002 gewonnen. Diesmal erhielt er die Nominierung unter anderem für die Produktion von Till Fellners Trompeten-Interpretation von Bachs "Das Wohltemperierte Klavier".

Die Musica Antiqua Köln und Dirigent Reinhard Goebel fielen der US-Musikakademie, die alljährlich die Grammys vergibt, mit ihrer Einspielung von Bibers "Harmonia Artificiosa" auf. Sie erhielten ihre Nominierung in der Kategorie "Beste Darbietung eines kleinen Ensembles". Neben vielen anderen deutschen Anwartschaften gibt es beim Grammy für die beste Darbietung von Instrumentalsolisten gar eine deutsch-deutsche Konkurrenz: Hier kann sich die Geigerin Anne-Sophie Mutter mit Bernsteins "Serenade" und Previns "Violin Concerto Anne-Sophie" Hoffnungen machen. Nominiert wurde unter anderem aber auch die Aufnahme des Münchner Kammerorchesters (Leitung: Christoph Poppen) von Mansurians "... And Then I Was In Time Again" mit dem Bratschen-Solisten Kim Kashkashian. Mutter kann mit dem für sie geschriebenen Previn-Violinkonzert außerdem als Solistin in der Kategorie "Beste klassische zeitgenössische Komposition" geehrt werden. (APA/dpa)

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