Rottenbergs Boulevard: Ja, es hat gewackelt!

18. Februar 2005, 13:57
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Das "Seitenblicke"-Prinzip des "been there, seen that" funktioniert längst auch einfacher

Na sicher wackelt das Bild. Und jeder, der sich darüber aufregt, soll es besser machen: Ein Tschickpackerl mit stecknadelkopfgroßer "Kamera" vorne drauf drei Minuten auf Armlänge vor sich halten ohne zu wackeln, das kann nur ein Toter - oder ein Stativ.

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Thomas Rottenberg

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Und damit wären wir schon dort, wo die "Boulevard"-Videos nicht hinwollen. Oder wollten. Vor allem aber dürfen: Wer "echtes" Fernsehen will, der ist bei den prinzipiell ungeschnittenen, prinzipiell ohne Zusatzequipment (externes Licht, externe Mikros, Filter, Stative etc.), prinzipiell in einem Durchgang und prinzipiell aus der Hand gedrehten Videos im falschen Kino.

Nicht ohne Grund treten "Seitenblicke" & Co immer mit großem Team (Kameramann, Lichtmensch und Redakteur) an. Dass mit der großen Inszenierung auch immer gleich die eigene Wichtigkeit (das Ereignis ist längst nicht mehr der Event, sondern die Berichterstattung darüber) betont wird - wen stört's? Eben.

Nur: Genau das wollten wir nicht. Eher im Gegenteil. Denn das "Seitenblicke"-Prinzip des "been there, seen that" funktioniert längst auch einfacher. Schneller. Demokratischer. Und weniger ehrfürchtig. Das zu demonstrieren war das Ziel - und es gelang. Eine billige Digi-Videokamera, ein UMTS-Handy und ein bisserl Webspace genügen: Das kann jeder - und das ist gut so. (Auch wenn es wackelt.)

Was uns aber wirklich erstaunte: Der Beweis, dass sich die Lugners dieses Landes sogar vordrängeln, um sich vor einem tschickpackerlkleinen Dingsbums mit stecknadelkopfgroßer Kamera zu produzieren, gelang. Über das Wieso nachzudenken ist müßig. Weil da dann nicht mehr nur das Bild wackelt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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    foto: derstandard.at
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