And the winner is: KPMG!

21. März 2005, 15:47
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Der Konzern berät in Sachen Steuerflucht und erhält dafür den Preis für "gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit von Unternehmen" - Ein ATTAC-Kommentar

Ausnahmsweise hätte sich auch das Top-Management von KPMG in Verzicht geübt, als beim "Public Eye on Davos" die Ehrungen durchgeführt wurden. Im Rahmen des Alternativgipfels zum Weltwirtschaftsforum wurden die Preise für gesellschaftlich verantwortungsloses Handeln vergeben. Obwohl der Preis zum ersten Mal ausgelobt wurde, mangelte es nicht an KandidatInnen. Das darf auch nicht verwundern, denn trotz (oder gerade wegen) eines Booms der Beratungsindustrie sind die Fälle von Corporate Social Irresponsibility im Steigen begriffen.

Maßgeschneiderte "Steuervermeidungsmodelle"

Die werte LeserInnenschaft weiß mittlerweile gut Bescheid über Konzerne, die Arbeitsrechte mit Füßen treten oder die indigene Bevölkerung von rohstoffreichen Landstücken vertreibt. Weniger bekannt sind jene Unternehmen, die ihre Kernkompetenz darin sehen, „Steuervermeidungsmodelle“ für Konzerne und Superreiche zu entwerfen. Gerade diesen jungen, dynamischen Markt scheint KPMG in jüngster Zeit sehr „erfolgreich“ bearbeitet zu haben.

Wesentlicher Bestandteil dieser Geschäftsstrategie, die erst durch die Korruptionsskandale rund um Enron, Worldcom & Co ans Tageslicht kam, waren und sind Niederlassungen in Steueroasen. Dank der dort herrschenden geringen Besteuerung und Intransparenz können Konzerne ihre Steuerlast „optimieren“ – und damit vor ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, die sie sonst so oft im Mund führen, fliehen. Unmittelbare Folge aus diesem - zumindest - asozialen Verhalten: Die Einnahmen aus der Unternehmensbesteuerung sinken, der Sozialstaat wird unter dem Diktat der leeren Kassen abgebaut und die Regionen, denen sich die Konzerne als „Weltenbürger“ sonst so verpflichtet fühlen, gehen den Bach hinunter.

Wasser predigen, Wein trinken

Besonders pikant wird der Fall von KPMG, wenn man sich Aussagen des Vorstandsvorsitzenden in Erinnerung ruft, der unlängst eine Lanze für die „gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen„ brach. Sinngemäß meinte er, dass es für die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen nicht nur viele wirtschaftliche, sondern auch moralische Argumente gäbe. Der Fall von KPMG beweist einmal mehr, wie wirkungslos das auf Einseitigkeit und „good will“ basierende Konzept der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen ist.

Wasser abgraben

Eine wirksame Strategie, um aggressive Steuervermeidung zu unterbinden, wäre, den Markt weitgehend trockenzulegen, auf dem solche Geschäftsmodelle aufbauen. Steueroasen schließen, Kapitalbesteuerung harmonisieren. Wenn sich KPMG für solche Restrukturierungen einsetzen würde, bekämen sie eines Tages wirklich einen Preis für gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen.

Von Leonhard Plank

"Fremde Feder" ist eine Kolumne auf derStandard.at für KommentatorInnen von außen. Unter dem Motto "Globalisierung braucht Gestaltung" schreibt ein Team, das die Meinungsvielfalt von Attac Österreich abbildet, alle zwei Wochen einen Kommentar.

ATTAC ist ein globales Netzwerk von Globalisierungs­kritikerInnen, das 1998 in Frankreich entstanden und seither in 40 Ländern weltweit aktiv geworden ist. In dieser Kolumne nimmt ATTAC Stellung zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen und stellt Alternativen zur neoliberalen Globalisierung vor.
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