"Unermesslich unglücklich"

11. Februar 2005, 18:55
posten

Tschechiens Präsident Klaus äußert sich erstmals zu Gross' Wohnungsaffäre - Scharfe Kritik in Zeitungen

Prag - Zu dem Skandal um den tschechischen sozialdemokratischen Regierungschef Stanislav Gross und die Finanzierung seiner Wohnung hat sich nun erstmals Staatspräsident Vaclav Klaus geäußert. Gegenüber dem Tschechischen Rundfunk erklärte er am Freitag, diese "unermesslich unglückliche" Affäre schade der Tschechischen Republik sowohl nach außen als auch nach innen.

"Wir alle wissen, dass die Glaubwürdigkeit der Politiker und der Politik das am sorgfältigsten gepflegte Blümchen ist", betonte Klaus. Diese Glaubwürdigkeit leide auf unermessliche Weise durch diese "unglaublichen Eskapaden", die man täglich in den Zeitungen sehe, meinte der Staatschef in Anspielung auf Widersprüchlichkeiten und plötzliche Wendungen in der Entwicklung des Skandals. Die Menschen seien dann noch gleichgültiger und sagen sich, "es kann doch nicht wahr sein, was die Leute dort oben eigentlich tun".

Scharfe Kommentare brachten am Freitag auch tschechische Zeitungen. "Mlada fronta Dnes" schreibt, die Parlamentarische Anfrage vom Donnerstag hätte keine Klarheit gebracht. "Die Abgeordneten haben Fragen gestellt, und der Premier hat sie nicht beantwortet. (....) Gross ist wie ein Pilger, der in den Sumpf sinkt. Je mehr Aktivitäten, desto tiefer verfällt er". Nach Auffassung der Tageszeitung "Pravo" ist Gross "schwer angesteckt mit seiner Naivität, die fließend in Dummheit übergeht". "Er kann seiner Partei nur mehr damit dienen, indem er beim Parteitag (Ende März) seinen Platz für Bohuslav Sobotka (Finanzminister) räumt", schreibt das Blatt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Affäre um den sechs Jahre zurückliegenden Wohnungskauf von Regierungschef Stanislav Gross (Bild).

Share if you care.