"Großes Wachstumspotenzial in Osteuropa"

11. Februar 2005, 18:52
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Siemens Österreich-Chef Hochleitner: Kauf soll sich in sieben Jahren amortisiert haben - Dachmarke VA Tech wird verschwinden

Wien - Siemens Österreich-Generaldirektor Albert Hochleiter hat am Freitag die Übernahme der VA Tech hingegen als "absolute Wende" für sein Unternehmen bezeichnet und einen prononcierten Wachstumskurs in Aussicht gestellt. Siemens Österreich verdopple sich bei Beschäftigten und Umsatz "mit einem Schlag" auf 34.000 Mitarbeiter und 8 bis 9 Mrd. Umsatz, sagte Hochleitner einen Tag nach Erreichen der Übernahmeziels. "Wir wollen ein starkes Unternehmen schaffen mit dem Ziel, weltweit die Siemens-Stammhaus-Bereiche zu verstärken und in den Regionen auszubauen."

Mit der VA Tech sei Siemens "gut vorbereitet" für ein weiteres Wachstum in den Regionen Zentral- und Osteuropas. Dort ortet der Siemens Österreich-Chef "großes Wachstumspotenzial", zumal der Elektromarkt in Österreich jährlich um 3 bis 4 Prozent wachse, in Osteuropa hingegen "um 10 Prozent oder mehr". "Wir wollen dort unsere Marktposition halten und verbessern und die Marktanteile ausbauen. Diese Ziele werden wir für die VA Tech in der gleichen Größe mitnehmen". Die Siemens-Landesgesellschaft verantwortet neben dem Österreich-Geschäft auch die Geschäfte in der Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien-Montenegro, Rumänien und Bulgarien.

Finanzierung aus der "Portokasse"

Finanzieren will Siemens den rund eine Milliarde Euro schweren Deal aus der eigenen "Portokasse", eine Finanzspritze vom deutschen Mutterkonzern in München sei dazu nicht nötig, betonte Siemens-Finanzvorstand Peter Schönhofer. Konkret habe Siemens Österreich 700 Mio. Euro Barmittel in der Bilanz, zusätzlich würden 500 Mio. Euro aus Wertpapieren für die Übernahme verwendet. Die VA Tech soll schon in den nächsten sieben Jahren den Kaufpreis wieder eingespielt haben. Mittelfristig - also in rund fünf Jahren - soll die EGT-Marge (Vorsteuerergebnis zu Umsatz) der bis 2004 "ergebnisschwachen" VA Tech auf 5 bis 6 Prozent gesteigert werden.

Genehmigung aus Brüssel steht noch aus

Bis zur Genehmigung der Übernahme der VA Tech durch die Wettbewerbsbehörden aus Brüssel seien Siemens aus rechtlichen Gründen freilich weitgehend die Hände gebunden. Man könne in den Gremien "ausschließlich für die 16,45 Prozent der Aktien agieren, die wir besitzen". Davon abgesehen werde man in dieser Zeit freilich schon die Integration des österreichischen Unternehmens mit dem Management und Belegschaft in den einzelnen VA-Tech-Divisionen besprechen und bis spätestens Juli entsprechende Konzepte zur Umsetzung der Integration ausgearbeitet haben.

Mit weiteren relevanten Auflagen durch die Kartellwächter in Brüssel rechnet Siemens Österreich nicht."Wir erwarten uns keine besonders erschwerenden Auflagen für den gesamten Deal", sagte Hochleitner. Einzige Ausnahme sei der Bereich Energieerzeugung der VA Tech ("Hydro"). Hier nannte Hochleitner drei Optionen: Eine Integration in das Joint Venture mit der deutschen Voith, an dem Siemens rund 34 Prozent hält; einen Ausstieg aus diesem Gemeinschaftsunternehmen, um "frei (zu sein), selbst die Hydro zu übernehmen". Die dritte Möglichtkeit sei der Verkauf des Bereichs an Dritte - dies sei freilich nur die "ultima ratio" und keineswegs die präferierte Option. Es seien diesbezüglich jedenfalls keinerlei Absprachen mit der Kovats-Gruppe getroffen worden.

Einzug in den Aufsichtsrat

Noch vor dem kommenden 20. Mai, dem Termin der nächsten ordentlichen Hauptversammlung soll eine außerordentliche HV einberufen werden. Bei dieser will die bisher noch nicht im VA-Tech-Aufsichtsrat vertretene Siemens wenigstens zwei Vertreter in das Kontrollgremium entsenden. Die beiden Vertreter der Kovats-Gruppe, von der Siemens ihren 16,45-prozentigen Anteil gekauft hat, hätten ihren Rückzug signalisiert. Damit würde Siemens wenigstens zwei Sitze halten, "vielleicht auch den einen oder anderen Sitz mehr". Im Falle eines Rücktritts des bisherigen VA Tech-Vorstands Klaus Sernetz wolle Siemens diesen nicht zu halten versuchen.

Nach der Genehmigung des Deals werde man freilich "relativ zügig an den squeeze out gehen", also an die Abspaltung der verbliebenen Kleinaktionäre bzw. das Delisting von der Wiener Börse.

Dachmarke VA Tech verschwindet

VA Tech, die "Dachmarke" des übernommenen österreichischen Konzerns, wird längerfristig verschwinden, Namen wie etwa VAI (Metallurgie) oder die Elin EBG (Infrastruktur) sollen dagegen bestehen bleiben, sagte Hochleitner. In diesem Sinn könne eine "Zweimarkenstrategie" eine durchaus "hübsche Idee" sein.

Die VAI soll an den Konzernbereich "Industrial Solutions & Services (I&S)" berichten, Elin EBG soll zu Siemens Österreich stoßen. Die Unternehmen der VA Tech T&D (Energieübertragung und -verteilung) sollen zu Siemens-Power Transmission & Distribution (PTD) bzw. zu Siemens-Österreich kommen.

"Knappe Geschichte"

Dass Siemens sich nach Ablauf der Angebotsfrist nur 90,94 Prozent der VA-Tech-Anteile sichern konnte, sei eine "knappe Geschichte" gewesen, räumte der Siemens-Manager ein. Mit der Erhöhung des Zieles, 90 Prozent statt der ursprünglichen 50 Prozent des VA Tech-Grundkapitals zu erreichen, habe Siemens durch die Erhöhung des Angebots (von 55 auf 65 Euro je Aktie) den Ablauf stark beschleunigt: "Der Prozess hätte sich sonst ungeheuer in die Länge gezogen."

Mit dieser Beschleunigung habe man sich "mindestens ein Jahr erspart", in diesem Sinn sei die Erhöhung des Angebots durchaus gerechtfertigt gewesen. Den Preis für die VA-Tech-Übernahme habe sich Siemens allerdings ursprünglich "anders vorgestellt", räumte Hochleitner ein. (APA)

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    Mit der VA Tech sei man "gut vorbereitet" für ein weiteres Wachstum in den Regionen Zentral- und Osteuropas, sagte Siemens Österreich-Chef Albert Hochleitner.

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