Schuldnerberatung: Überschuldung nimmt stetig zu

12. Februar 2005, 16:09
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Armutsgefährdete vier Mal so stark betroffen, warnt Beratungsstelle - Auch immer mehr Mittelschichtfamilien verschulden sich

Wien - Der Dachverband der Schuldnerberatung macht auf die Gefahr der zunehmenden Überschuldung aufmerksam: Ein Viertel aller Österreicher hätten kein Geld für unerwartete Ausgaben, 223.000 Personen seien mit den Zahlungen im Rückstand, heißt es in einer Aussendung am Freitag. Die Schuldnerberater warnen vor "leichtfertigem Kontoüberzug" und appellieren an die soziale Verantwortung von Banken. Als Prävention sei eine "bessere finanzielle Allgemeinbildung" angebracht.

2004 wurden 12.750 neue Klienten in einer Erstberatung in den elf Schuldnerberatungsstellen österreichweit beraten, 3.300 Personen wurden bei der Einleitung eines Privatkonkursverfahrens begleitet. Der Bedarf könne aber weitaus höher eingeschätzt werden, vermutete Hans W. Grohs, Geschäftsführer der Dachorganisation. Mit zunehmender Armut steige auch die Gefahr der Überschuldung: Armutsgefährdete Personen seien vier Mal so stark betroffen wie der Rest der Bevölkerung.

Immer mehr Mittelschichtfamilien verschulden sich

Aber auch immer mehr Mittelschichtsfamilien würden sich verschulden: fast zwei Millionen Österreicher hätten kein Geld für unerwartete Ausgaben, beinahe ebenso viele könnten sich keinen Urlaub leisten. "Der Schritt in die Verschuldung liegt in solchen Situationen nahe und wird den Betroffenen auch leicht gemacht", erklärte Grohs. So sei der leichtfertige Kontoüberzug die teuerste Form des Kredits. Die Schuldnerberatungen appellierten in dem Zusammenhang auch an die Banken, die mehr soziale Verantwortung zeigen sollten.

Mehr finanzielle Allgemeinbildung

Es brauche zudem mehr "finanzielle Allgemeinbildung", damit Konsumenten die Folgen einer Kontoüberziehung realistisch einschätzen könnten. Hier bestehe in Österreich großer Nachholbedarf. Jedoch: entsprechende Angebote der Schuldnerberatungen würden nur von wenigen Bundesländern finanziert werden, kritisierten die Berater. (APA)

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