Schlingensiefs hintergründige "Regensburg-Gala"

16. Februar 2005, 15:40
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Volksbühnen-Abend zur Unterstützung der Kulturhauptstadt-Bewerbung hinterliess leicht Irritierte

Berlin - Die mit Spannung erwartete "Regensburg-Gala" des Theaterprovokateurs Christoph Schlingensief ist am Donnerstagabend in der Berliner Volksbühne von einem leicht irritierten Publikum mit viel Beifall bedacht worden. Die Stadt Regensburg hatte ihn engagiert, um ihre Bewerbung zur Kulturstadt Europas 2010 zu unterstützen und war mit zahlreichen Vertretern in die Bundeshauptstadt gekommen. "Keine Chance Regensburg" lautete das Motto, das auch in Riesenlettern an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg- Platz prangte.

"Essen für alle"

Wie nicht anders zu erwarten, nutzte Schlingensief, der wegen eines Krankheitsfalls in der Familie am Abend nicht teilnehmen konnte, die Gelegenheit, um ein paar Provokationen zu streuen. So verlas eine Schauspielerin eine angebliche Erklärung der Stadt, dass sie ihre Bewerbung wieder zurückziehe. Da war von einer "dilettantischen Bewerbung", von einer "Provinzposse" und "Kleinbürgergeist" die Rede.

Und der aus Oberhausen stammende Schlingensief ließ eine Erklärung verlesen, wonach er "als Kind des Ruhrgebiets" die Bewerbung dieser Region und der Stadt Essen als Kulturhauptstadt Europas 2010 unterstützen werde. "Essen für alle" verkündete ein Transparent.

"Mehr als erwartet"

Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU), Vorsitzender des bayerischen Städtetages, zeigte sich nicht als Spielverderber und machte gute Miene zum bösen Spiel. "Wir haben mehr Provokation bekommen als wir erwartet haben", sagte er nach der Aufführung, die eine umgemodelte Regensburg-Variante von Schlingensiefs Volksbühnen- Projekt "Kunst und Gemüse" ist. "Aber wir haben auch gezeigt, dass wir unter den Bewerbern die Stadt sind, die sich etwas traut und die sich nicht nur lackiert präsentiert." (APA/dpa)

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    Untergetaucht:
    Schlingensief
    Im Regen:
    Regensburg

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