Renovierung von Wiens "Russenkirche"

17. Februar 2005, 13:39
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Innenausbau Ende Februar abgeschlossen, Mittel für Fassadenerneuerungen fehlen

Wien - Fast ein bisschen deplatziert wirkt die schmächtige Christkönigskirche vor dem Hintergrund der mächtigen UNO-City in Wiens 22. Bezirk. Besser bekannt ist das nur rund 100 Quadratmeter große Gotteshaus allerdings unter dem Namen "Russenkirche". Seit einem Jahr in der Verantwortung der koptisch-orthodoxen Gemeinde, droht die notwendige Renovierung der Kirchenfassade am fehlenden Geld scheitern. Nahezu fertig gestellt sind hingegen die Arbeiten im Inneren des Gebäudes. Ende Februar soll die seit sechs Monaten geschlossene Kirche wieder eröffnet werden, kündigte Ebtisam Soliman von der koptisch-orthodoxen Gemeinde an. Mitte 2004 hatte man anlässlich des Besuches des Kopten-Papstes Shenouda III. mit den Arbeiten begonnen.

Freilegung von Wandmalereien verschoben

Unterstützung kam dabei vom Bundesdenkmalamt (BDA), das einen Restaurator entsandte. Gefunden wurden unter anderem Wandmalereien, die allerdings aus Kostengründen nicht restauriert und auf Wunsch der Kopten übermalt wurden. Dabei gab der BDA-Experte Anleitung, wie die Arbeiten so schonend zu übertünchen sind, dass sie auch nach Jahren wieder problemlos freigelegt werden könnten. Eingebaut wurden außerdem Bodenheizung und Toiletten, die vorher nicht vorhanden waren. "Wir konzentrieren uns auf die Innenrenovierung, damit wir die Kirche benutzen können", erklärte Soliman. Die Bodenheizung wird den Nebeneffekt haben, das Gebäude trocken zu legen. Das Hauptproblem sei nämlich die Feuchtigkeit, die ins Mauerwerk krieche, betonte die Wiener Landeskonservatorin im BDA, Barbara Neubauer.

Wann die Mittel für die dringend notwendige Renovierung der Fassade aufgebracht werden könnten, wagte die Denkmalpflegerin nicht zu prognostizieren. "Ein bisschen eine traurige Geschichte" sei das, bedauerte Neubauer. Dies sei einer der Fälle, in denen sie sich einen Fonds wünsche, der unbürokratisch Gelder ausbezahle.

Aus den Spätphasen der Monarchie

Trotz ihrer bescheidenen Ausmaße von rund 100 Quadratmetern kann die Christkönigskirche in Wien-Donaustadt auf eine äußerst ungewöhnliche Baugeschichte zurückblicken. Ursprünglich war sie als kleine Kapelle für dort gelegene Armensiedlung "Bretteldorf" geplant und sollte vom Militär errichtet werden.

Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 konnte das Vorhaben nach Plänen des Architekten Hans Prutscher mit Militärpersonal zwar nicht mehr umgesetzt werden. Jedoch lieferte der Krieg andere, billige Arbeitskräfte und so wurde der Bau der Kirche 1915 mit Hilfe russischer Kriegsgefangener begonnen. Daher rührt auch der heute gebräuchliche Name "Russenkirche".

Die Kirche war aber noch nicht ganz fertig gestellt, als die Gefangenen entlassen und der Bau mit italienischen Gefangenen bis zu deren Heimkehr weiter betrieben wurde. Nach Ende des Krieges stand dann aber weder Geld, noch Personal für die Fertigstellung der Kirche zur Verfügung. Erst eine holländische Hilfsaktion kam schließlich der Russenkirche zu Gute, worauf sie 1922 endlich vollendet und geweiht werden konnte.

Seit den frühen siebziger Jahren wurde das Gotteshaus von katholischer und koptisch-orthodoxer Kirche gemeinsam genutzt. Seit 2004 ist die koptisch-orthodoxe Gemeinde alleiniger Unterhalter der Kirche. Auch wenn im Juli 2004 ein Neubau in der Donaustadt eröffnet wurde, bleibe die Russenkirche "ein Teil unserer Geschichte" und werde weiter genutzt, beteuerte Soliman.

Ab Ende Februar sollen im kleinen Gotteshaus wieder drei Messen wöchentlich gefeiert werden - dazu Sonntagsschule, Bibelstunden und Abendvespern. Rund 50 Personen erscheinen regelmäßig zu den Gottesdiensten: "Die "Gemeinde wächst", freute sich Soliman. Die koptisch-orthodoxe Kirche wurde im 1. Jahrhundert nach Christus gegründet. In Österreich ist die Gemeinschaft seit den frühen 70er Jahren aktiv. In Wien leben heute rund 3.500 koptische Christen, in ganz Österreich über 5.000. (APA)

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    UNO-City und "Russenkirche"

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