30 bis 50 Prozent der Frauen haben Knoten in der Brust

13. Februar 2005, 17:00
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Mastopathie ist laut Expertenmeinung eine generell gutartige Erkrankung und hormonell bedingt

Frankfurt/Main - Der erste Hinweis ist für viele Frauen ein Schock. Stoßen sie beim Abtasten der Brust auf knotige Veränderungen, folgt oft automatisch der Gedanke an Krebs. Diese Sorge ist meist unbegründet: Die Mastopathie - so der medizinische Fachterminus - ist die häufigste gutartige Veränderung der weiblichen Brust. Allerdings verursachen die Veränderungen im Brustgewebe vielen Frauen vor allem in der zweiten Zyklushälfte starke Schmerzen.

Sammelbegriff Mastopathie

Die Mastopathie ist kein klar definiertes Krankheitsbild, sondern eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche Veränderungen des Brustdrüsengewebes, die von Schwellungen, der so genannten Mastodynie, bis hin zu Knotenbildung und Zysten reichen. Charakteristisch ist, dass die Beschwerden vor der Menstruation zunehmen und anschließend nachlassen. Gerade wegen der unklaren Abgrenzung der verschiedenen Formen gibt es nur wenige zuverlässige Schätzungen darüber, wie viele Frauen von dem Problem betroffen sind.

Genetische Vorbelastung

Der Fürther Frauenarzt und Fachbuchautor Bernd Kleine-Gunk schätzt, dass 30 bis 50 Prozent aller Frauen daran leiden, allerdings unterschiedlich stark. Manche haben nur vor der Monatsblutung Beschwerden, andere können die ständigen Schmerzen kaum ertragen: Sie können nicht auf dem Bauch liegen, meiden Umarmungen und spüren selbst leichte Erschütterungen. "Viele Frauen leiden enorm unter den Schmerzen", weiß Kleine-Gunk. Die Patientinnen sind meist im Alter zwischen 35 und 55 Jahren und gehören damit einer Altersgruppe an, die insbesondere bei familiärer Vorbelastung auf knotige Veränderungen der Brust mit großer Sorge reagiert.

Bösartige Tumore schwerer zu ertasten

"Wenn Frauen permanent Knoten tasten, ist die Verunsicherung sehr hoch", sagt Kleine-Gunk. Doch die Sorge ist fast immer unbegründet. "Generell handelt es sich mit Ausnahme ganz weniger Sonderformen um eine gutartige Erkrankung", weiß der Experte. "Eine vermehrte Krebsangst muss man nicht haben." Die Diagnose lässt sich in der Regel durch die Angaben der Patientin, einen Tastbefund und eine Ultraschalluntersuchung stellen. Vorsicht ist aber aus einem anderen Grund geboten: Die Veränderungen erschweren das Abtasten der Brust, zudem lässt sich ein eventuell vorhandener Tumor unter einem Knoten kaum erfühlen.

Vorsorge

Daher rät Kleine-Gunk Frauen mit Mastopathie statt einmal jährlich alle sechs Monate zu einer Vorsorgeuntersuchung per Ultraschall. Ursache der Beschwerden ist offenbar eine Verschiebung des Gleichgewichts der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Gestagen zu Gunsten des Östrogens. Dies zeigt auch die Tatsache, dass die Probleme meistens erst mit den Wechseljahren nachlassen. An dem veränderten Hormongleichgewicht setzt auch die Therapie an.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung kann die Mastopathie zwar nicht heilen, die Probleme aber zumindest lindern. In vielen Fällen, so Kleine-Gunk, hilft die Gabe von Gestagenen, um den Östrogenüberschuss auszugleichen. Bewährt haben sich dem Mediziner zufolge auch Präparate aus Mönchspfeffer, die in Tabletten- oder in Tropfenform erhältlich sind. Das Pflanzenmittel, das auch Beschwerden beim prämenstruellen Syndrom lindert, regt die Gestagen-Produktion an.

Ernährung und Bewegung

Auch über die Ernährung lassen sich die Beschwerden verringern. Gerade bei prämenstruellen Spannungen sollten Frauen dem Mediziner zufolge Alkohol, Weißmehlprodukte, Zucker und sehr salzhaltige Lebensmittel meiden. Stattdessen empfiehlt der Experte ausschwemmende Speisen und Getränke wie etwa Reis oder Kräutertees. Hilfreich sind auch die in Sojaprodukten enthaltenen Isoflavone. Diese Phytoöstrogene binden an die körpereigenen Östrogenrezeptoren an und blockieren sie. Klein-Gunk spricht von einer kompetitiven Hemmung. Und noch ein anderes Verhaltens senkt den Östrogenspiegel. "Regelmäßig Sport treiben wirkt sich häufig positiv aus", sagt Kleine Gunk. Vor allem Joggen ist nach Erfahrungen des Arztes ausgesprochen hilfreich. (APA)

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    Gutartige Knoten in der Brust treten häufig auf und stellen an sich kein ernsthaftes Problem dar - jedoch erschweren sie das Abtasten nach möglichen bösartigen Tumoren.
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