WIDE: Wir wollen endlich Taten sehen!

11. Februar 2005, 11:01
posten
2005 ist ein wichtiges Jahr für die Internationale Frauenbewegung und Anlass für mehr als ein Jubiläum: Vor 60 Jahren erklärte die UNO-Charta die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zum prägenden Prinzip der Vereinten Nationen.

Vor 30 Jahren wurde in Mexico City die 1. Weltfrauenkonferenz veranstaltet und damit das UN-Weltfrauenjahrzehnt (1976- 1985) eingeleitet.

Vor zehn Jahren wurde schließlich die 4. Weltfrauenkonferenz in Beijing durchgeführt, bei der ein umfassendes und mutiges Maßnahmenpaket, die "Aktionsplattform von Beijing", angenommen wurde. So sehr die Vereinten Nationen also Grund hätten, ihre größte "Erfolgsstory", nämlich ihre Frauenpolitik, gebührend zu feiern, so bescheiden nehmen sich diese Feiern tatsächlich aus: Im März 2005 findet in New York das "Beijing +10 Review", die Überprüfungskonferenz zur Umsetzung der "Aktionsplattform von Beijing", statt, und zwar im Rahmen der Frauen-Status-Kommission der UNO.

Frauenpolitik wieder "Nebensache"

Dieses einstmals sehr kämpferische Organ hat mittlerweile viel von seinem Schwung verloren. Es wird aller Anstrengungen bedürfen, um die Anliegen der Aktionsplattform aufrechtzuerhalten. Das größte Problem besteht darin, dass dieser Prozess sehr wenig öffentlichkeitswirksam ist und auf diese Weise Frauenpolitik wieder mehr und mehr als "Nebensache" behandelt wird.

Viel größeres Interesse wird demgegenüber auf die im Jahr 2000 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommenen Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) gelegt, für deren Überprüfung im Herbst 2005 ein eigener Gipfel veranstaltet werden soll. MDGs nennen zwar "Gleichstellung und Empowerment von Frauen" als wichtiges Ziel, eine geschlechtsspezifische Sichtweise ist aber keineswegs in alle Ziele integriert. Trotz der genannten organisatorischen und strukturellen Hindernisse sind Frauenbewegungen in aller Welt aktiv und haben Positionen für Beijing +10 und Alternativvorschläge aus Frauensicht zu den MDGs erarbeitet.

Von 28. Februar bis 11. März 2005 werden NGOs in Nord und Süd der Grundlagen und Anfänge eines weltweiten "Empowerments von Frauen" gedenken. Auch in Österreich beteiligen sich Frauen mit vielfältigem Lobbying, Publikationen und Veranstaltungen an diesen Bemühungen.

Tagung

So lädt WIDE ein zur Tagung "Wir wollen endlich Taten sehen!" - Was können Frauen von Beijing +10 und den Millenniums-Entwicklungszielen erwarten?

21. Februar 2005, 9.00 bis 17.00 Uhr
AK Wien, Prinz-Eugenstraße 20-22, 1040 Wien
Kostenbeitrag inkl. Mittagsbuffet 15,- €, ermäßigt 10,- €
Anmeldung erbeten bis 14. Februar 2005 an WIDE telefonisch: 01/317 40 31 (auch Fax) oder per E-Mail.
Für Details zur Veranstaltung bitte weiter klicken!

Ziele der Veranstaltung

  • Auseinandersetzung mit der Frauenpolitik der Vereinten Nationen
  • Bestandsaufnahme bisheriger Politiken und Aktivitäten
  • Verdeutlichung der Bedeutung von CEDAW
  • Rückblick auf die Weltfrauenkonferenzen und Vorschau auf das "Beijing +10 Review" sowie auf den Gipfel zur Überprüfung der Millenniums-Entwicklungsziele
  • Sichtbarmachung der Bedeutung dieser Ereignisse für Frauen und Geschlechterverhältnisse in Österreich und in Ländern des Südens
  • Erarbeitung von Handlungsalternativen

    Programm und Referentinnen

    - Begrüßung und Eröffnung
    Botschafterin IRENE FREUDENSCHUSS-REICHL

    - BRITA NEUHOLD: Stationen der Internationalen Frauenbewegung von 1975-2005: Was tun mit Beijing+10 und den Millenniums-Entwicklungszielen?
    NEUHOLD ist Universitätslektorin zu den Themen internationaler Feminismus, internationale Frauenpolitik, Neoliberalismus und Menschenrechte; freie Wissenschafterin und Autorin zahlreicher Publikationen; Mitarbeiterin von WIDE; Teilnahme an der 2. und 4. UN-Weltfrauenkonferenz sowie an der UN-Sondergeneralversammlung zu Beijing+ 5 und an der 3. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Cancun.

    - HANNA-BEATE SCHÖPP-SCHILLING: Verbindungen zwischen der Frauenrechtskonvention CEDAW, der Aktionsplattform von Beijing und den Millenniums-Entwicklungszielen
    SCHÖPP-SCHILLING befasst sich mit Frauen-, bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Fragen auf nationaler und internationaler Ebene seit 1973, mit Fragen der Menschenrechte u. a. von Frauen seit 1988; Sitz in zahlreichen deutschen und internationalen Gremien; seit 1989 Sachverständige für die BRD im Ausschuss der UN zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW).

    - GEMMA ADABA: Ein kritischer Blick auf die Millenniums-Entwicklungsziele: Gender, nachhaltige Entwicklung und Menschenrechte; Vorstellung der Studie Frauenrechte auf dem Prüfstand
    ADABA setzt sich für die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte von Frauen als Vertreterin des Internationalen Gewerkschaftsbundes bei den Vereinten Nationen in New York und als Mitglied der Women's International Coalition for Economic Justice (WICEJ) ein.

    - Mittagspause

    - Vertiefung der Thematik aus den Referaten und Austausch; Erarbeitung von weiterführenden Fragen in vier Gruppen:
    AG 1: Frauen in Konfliktprävention und Konfliktlösung
    AG 2: Gesundheit von Frauen und Reproduktive Rechte
    AG 3: Wirtschaft und Armut
    AG 4: Partizipation und Mobilisation – politische Entscheidungsmacht und Mobilität
    Plenum
    Moderation: MARTINA THOMASBERGER (red)

    Share if you care.