Liesinger Brauerei: Kulturdenkmal mit bewegter Geschichte

18. November 2005, 15:47
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1839 wurde das erste Bier ausgeschenkt - auf Grund der Nähe zur Südbahnstrecke wurde die Brauerei zum beliebten Ausflugslokal

Wien - Die am 11. Februar in Flammen aufgegangene ehemalige Brauerei in Wien-Liesing kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Im Jahr 1828 erhielt das Haus die Baugenehmigung, 1973 wurde das letzte Bier gebraut. Im Jahr 1990 wurde der letzte große Schornstein und das Kesselhaus abgetragen.

Testament: Brauerei muss eingestellt werden

Gegründet wurde die Brauerei von Johann Georg Held (1796 - 1850), der dort Besitzer eines zwischen Breitenfurter Straße und Rudolf-Weißdorn-Gasse gelegenen Felsenkellers war. Im Jahr 1839 war es dann so weit: das erste "Oberliesinger Felsenkeller-Bräu" konnte ausgeschenkt werden. Auf Grund der Nähe zur 1841 eröffneten Südbahnstrecke nahm das Unternehmen einen großen Aufschwung. Zu seinem Tod bestimmte Held eigentümlicherweise, dass die florierende Brauerei eingestellt, das Brauhaus öffentlich versteigert und all sein Besitz verkauft werden soll.

Beliebtes Ausflugslokal

Trotzdem ging das Geschäft weiter: Helds Erben wurden von den Mitbesitzern Moritz Faber und Theodor Löwenthal ausbezahlt und der Betrieb wurde weiter geführt. 1872 wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Jahr 1898 errichtete das Architekten-Duo Ferdinand Fellner und Hermann Helmer den charakteristischen Turm auf dem Brauerei-Gelände. Das neue Gebäude, das mit einem großen Tanzsaal und einem Restaurationsbetrieb ausgestattet war, galt über Jahre hinweg als beliebtes Ausflugslokal.

Fusion

Zwischen 1900 und 1914 entstanden für die Brauerei-Arbeiter und deren Familien diverse Wohnhäuser. 1928 erfolgte die Fusion mit der Österreichischen Brau-AG. Nach 1945 zählte die Liesinger Brauerei zu den ersten Betrieben, die wieder voll arbeiten konnten. Der Grund: Der Besitz war zwar in sowjetischer Hand, andererseits konnte dadurch aber die Versorgung mit Gerste sicher gestellt und 500 Arbeiter konnten beschäftigt werden.

Ende der 60er Jahre entstand noch eine Siloanlage für 22.000 Tonnen Gerste. 1973 wurde das letzte Bier in Liesing gebraut, in den nächsten Jahren wurde noch Limonade und Bier abgefüllt. 1990 wurde dann der letzte große Schornstein und das Kesselhaus abgetragen. Heute erinnert auf dem ehemaligen Gelände noch ein eigenes Brauereimuseum an die Geschichte der Brauerei.

Brauhäuser gibt es in Wien bereits seit dem 13. Jahrhundert

Brauhäuser gibt es in Wien bereits seit dem 13. Jahrhundert. Das Bier wurde aber damals vorwiegend noch in eigenen Haushalten hergestellt. Der "Kampf" zwischen Wein und Bier ist ebenfalls schon recht lange belegbar: So wurde etwa in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus Rücksicht auf die Wiener Weinbauern das uneingeschränkte Brauen und Ausschenken von Bier eingeschränkt. In Wien gab es noch bis ins 19. Jahrhundert eine Unzahl an kleineren Brauereien. Auch die Stadt Wien verfügte über einen eigene Brauerei, die im Jahr 1905 gegründet wurde. Noch im Jahr 1929 existierten in Wien 20 Brauerei-Betriebe. 1983 waren es nur mehr zwei Betriebe. (APA)

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