Internationale Besorgnis nach Atomwaffenbekenntnis

12. Februar 2005, 16:59
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Sicherheitsexperten rechnen mit baldigen Atomwaffentests - USA: Keine Absicht, Nordkorea zu besetzen oder anzugreifen

Seoul/Luxemburg - Das Bekenntnis Nordkoreas, im Besitz von Atomwaffen zu sein, hat international Besorgnis ausgelöst. UN- Generalsekretär Kofi Annan forderte Pjöngjang zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Die Sechs-Länder-Gespräche über die Beendigung des Atomprogramms des kommunistischen Landes müssten so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden, sagte Annan am Donnerstag bei einem Besuch in London. Nordkorea hatte sich zuvor erstmals eindeutig zum Besitz von Atomwaffen bekannt und die Sechs-Länder-Gespräche mit den USA, China, Südkorea, Russland und Japan "auf unbestimmte Zeit" ausgesetzt.

USA nicht überrascht

Die USA zeigten sich von der Existenz von Atomwaffen in Nordkorea nicht überrascht. Man sei schon vor längerer Zeit zu dem Schluss gekommen, dass Nordkorea Atomwaffen besitze, sagte Präsidenten- Sprecher Scott McClellan. US-Außenministerin Condoleezza Rice warnte Pjöngjang aber davor, sich mit der Entwicklung der Waffen weiter zu isolieren. Bei einem Besuch der EU in Luxemburg forderte sie Nordkorea zur Aufgabe seines Atomprogramms auf. Sie fügte jedoch hinzu: "Es gibt keine Absicht der USA, Nordkorea zu besetzen oder anzugreifen."

Schröder: Bedauerlich

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete die Aussetzung der Gespräche als außerordentlich bedauerlich. Der Westen müsse auf weitere Gespräche dringen, sagte er in Elmshorn bei Hamburg. Nordkorea solle sich besser um die Versorgung seiner Bevölkerung kümmern als Atomwaffen zu bauen. Südkorea, Frankreich, Russland und Großbritannien zeigten sich ebenfalls besorgt. China äußerte sich zunächst nicht.

"Selbstverteidigung"

"Wir haben Nuklearwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt, um der immer unverhohleneren Politik der Bush-Regierung etwas entgegenzusetzen, die die Demokratische Volksrepublik Korea isolieren und in die Knie zwingen will", sagte ein Außenamtssprecher in Pjöngjang laut der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Im vergangenen September hatte der nordkoreanische Vize- Außenminister Choe Su Hon vor Ministern der UN-Generalversammlung gesagt, sein Land habe bereits waffentaugliches Plutonium zum Bau von Atomwaffen verwendet. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben Nordkoreas ist nicht möglich, seitdem das Land keine Inspektionen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) mehr zulässt.

Den USA warf Nordkorea erneut vor, durch eine "feindselige Politik" eine ernste Situation herbeigeführt zu haben und das Land mit einer "nuklearen Rute" zu bedrohen. "Dies zwingt uns zum Ausbau des Atomwaffenarsenals, um die Ideologie, das System, die Freiheit und die von den Nordkoreanern gewählte Demokratie zu schützen."

Test erwartet

Nach dem öffentlichen Bekenntnis Nordkoreas zu seinem militärischen Atomprogramm rechnen Sicherheitsexperten mit baldigen Atomwaffentests der Regierung in Pjöngjang. "Ich erwarte in absehbarer Zeit einen Test", sagte Joachim Krause vom Kieler Institut für Sicherheitspolitik der "Mitteldeutschen Zeitung" (Freitagausgabe). Zugleich sprach er von "nuklearer Erpressung", da Nordkorea der Besitz dieser Waffen nach dem Atomwaffensperrvertrag strikt untersagt ist. Nordkorea wolle mit dem Vorstoß Zeit gewinnen, um sein Nuklearprogramm weiter entwickeln zu können. Zugleich kritisierte der Kieler Wissenschaftler das "völlige Versagen des UN-Sicherheitsrates" in dem bereits Jahre dauernden Atomstreit mit Nordkorea.

Auch Hans-Joachim Schmidt, Korea-Experte der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, hält Tests in absehbarer Zeit für möglich. "Nur dann wäre die Drohung Nordkoreas mit den Waffen auch glaubwürdig", sagte Schmidt. Er geht davon aus, dass das Land bisher "mindestens sechs bis acht Sprengköpfe" habe. (APA/dpa)

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    Proteste gegen Pjöngjang in Südkorea vor der US-Amerikanischen Botschaft in Seoul.

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