Dell läuft auf Hochtouren

21. Februar 2005, 13:08
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Geschäft in Europa aus­ge­weitet - 5,2 Millionen Drucker ausgeliefert - Gewinn: drei Milliarden Dollar - Börse enttäuscht

Der weltgrößte PC-Hersteller Dell hat die von immer neuen Rekorden verwöhnten Märkte trotz kräftiger Umsatz- und Gewinnsteigerungen zum Jahreswechsel enttäuscht. Im vierten Quartal stieg der Nettogewinn um 26 Prozent auf 947 Mio. Dollar (741 Mio. Euro), wie das Unternehmen am Donnerstagabend nach Börsenschluss in Round Rock im US-Staat Texas mitteilte. Der Umsatz legte um 17 Prozent auf einen Rekordwert von knapp 13,5 Mrd. Dollar zu. Damit errreichte Dell die Erwartungen der Analysten jedoch nicht ganz, was die Aktie des Unternehmens im nachbörslichen Handel rund drei Prozent ins Minus drückte.

Im gesamten Geschäftsjahr 2004/2005 steigerte Dell den Umsatz um rund 19 Prozent auf 49,2 Mrd. Dollar. Analysten der Wall Street hatten im Schnitt mit knapp 49,3 Mrd. Dollar gerechnet. Der Gewinn legte um 26 Prozent auf 3,3 Mrd. Dollar zu.

Sonderbelastung von 280 Mio. Dollar

Dabei ist allerdings eine im letzten Quartal anfallende Sonderbelastung von 280 Mio. Dollar nicht eingerechnet, die laut Dell durch die vorzeitige Umstellung auf die Steuerrechtsänderung bei so genannten Foreign Sales Corporations (FSC) entstand. Die bisherige Rechtslage hatte es Konzernen erlaubt, für im Ausland erzielte Gewinne einen deutlich nierigeren Steuersatz zu zahlen. Einschließlich des Sonderbetrags stieg der Dell-Jahresgewinn nur um 15 Prozent auf 3,04 Mrd. Dollar.

Umsatzerwartung: "Ungefähr 13,4 Mrd. Dollar"

Für das im Februar begonnene erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres rechnet Dell nach den Worten von Konernchef Kevin Rollins mit Umsätzen von "ungefähr 13,4 Mrd. Dollar". Das wären 18 Prozent mehr als vor einem Jahr, lag aber erneut etwas unter den Analystenerwartungen von 13,5 Mrd. Dollar.

"Die Privatkunden-Seite war etwas schwach, aber das war erwartet worden"

Zweifel daran, dass Dell seine Spitzenstellung bei den PC-Herstellern halten wird, gibt es allerdings keine. "Die Privatkunden-Seite war etwas schwach, aber das war erwartet worden", sagte Analyst Harry Blount von Lehman Brothers. Und die Vorhersagen lägen immerhin annäherend im richtigen Bereich.

Dell hat dank einer messerscharfen Kostenkontrolle in den vergangenen Jahren stetig steigende Umsätze und Gewinne präsentieren können. Auch im wichtigen Markt für Unternehmen konnte Dell so nach und nach Fuß fassen, denn die Texaner bauen direkt auf Bestellung und nach den Wünschen des Kunden und sind dabei oft billiger als die Erzrivalen IBM und Hewlett-Packard.

Server und Speichersysteme verkauften sich gut

Der Umsatz mit Servern und Speichersystemen stieg im vierten Quartal um rund 20 Prozent. Auch das relativ neue Geschäft mit Druckern, wo Dell nun direkt das Traditionsgeschäft von Hewlett-Packard angreift, läuft zunehmend besser. Im vierten Quartal konnte Dell 5,2 Mio. Drucker ausliefern, mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Den Löwenanteil zum Umsatz steuerten mit 51 Prozent aber weiter Desktop-PCs bei, Notebooks standen für 28 Prozent.

Rücktritt

Dell legte seine Zahlen nur einen Tag nach dem Rücktritt von HP-Chefin Carly Fiorina vor. Viele Analysten an der Wall Street gehen davon aus, dass Dell dem Erzrivalen im PC-Geschäft nun Marktanteile abjagen kann, so lange das Unternehmen noch keinen neuen Chef gefunden hat. Rollins blieb jedoch vorsichtig: Die Ereignisse bei HP seien "wahrscheinlich" eine Gelegenheit für Dell, das Geschäft über bisherige Erwartungen hinaus auszudehnen, sagte er. Er bekräftigte, dass Dell auf gutem Wege sei, Ende des Jahres das Umsatzziel von 60 Mrd. Dollar zu überschreiten.

Pole Position

Dass Dell in Sachen PCs gegenüber der US-Konkurrenz weiter in der Pole Position ist, zeigt auch das Beispiel IBM: Das Traditionsunternehmen hatte im Dezember angesichts fallender Preise und Margen den Verkauf dieses Geschäftsbereichs an die chinesische Lenovo-Gruppe angekündigt. (APA)

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