John Howard: "Da ist ein Element von Bluff enthalten"

12. Februar 2005, 16:59
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Australischer Regierungschef findet Aussagen dennoch beunruhigend - Deutscher Außenpolitiker Rühe fordert China auf, Druck auszuüben

Sydney/Washington - Die Aussagen Nordkoreas über den Besitz von Atomwaffen sind nach Einschätzung des australischen Regierungschefs John Howard zum Teil auch "Bluff". Gleichwohl seien die Aussagen beunruhigend und erinnerten daran, "mit was für einem Land wir es zu tun haben", sagte Howard am Freitag in Sydney. "Da ist ein Element von Bluff enthalten, da bin ich mir sicher", sagte Howard weiter. Selbst wenn Nordkorea eine "gewisse atomare Kapazität" habe, so werde dies von der Führung in Pjöngjang "wahrscheinlich übertrieben". Niemand solle deshalb jedoch meinen, dass es sich nicht um ein "wirkliches Problem" handle, das mit größtem Geschick angegangen werden müsse.

Washingto: Fall Iran und Nordkorea sind unterschiedlich

In Washington sagte der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, der Fall Iran und der Fall Nordkorea seien verschieden, es gebe da eine jeweils "andere Dynamik". So gehe es bei den Verhandlungen mit dem Iran noch darum, die Herstellung von Atomwaffen durch die Führung in Teheran zu verhindern, sagte Adam Ereli. Im Konflikt mit beiden Ländern jedoch setzten die USA auf eine friedliche und diplomatische Lösung, auch wenn keine Option einseitig ausgeschlossen werde.

CDU-Politiker Rühe: Öffnung ist beste Sicherheitspolitik

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im deutschen Bundestag, der CDU-Politiker Volker Rühe, sieht nun vor allem China in der Pflicht, auf die Atomwaffenbedrohung durch Nordkorea zu reagieren. Der "Rheinischen Post" (Freitagausgabe) sagte Rühe, China sei "hier besonders gefordert, den nötigen Druck auszuüben". An die nordkoreanische Führung appellierte Rühe, sie müsse erkennen, "dass eine Rückkehr an den Verhandlungstisch und die Aufgabe der Nuklearwaffen die klügste Politik für das Land und seine Menschen ist". Die Sicherheit Nordkoreas sei "am besten gewahrt, wenn es sich öffnet und seine Bürger an den wirtschaftlichen und demokratischen Entwicklungen in der Region Anteil nehmen lässt".

Das kommunistische Nordkorea hatte am Donnerstag überraschend zum ersten Mal erklärt, es verfüge über Atomwaffen, und zugleich seinen Rückzug aus den internationalen Gesprächen zum Stopp seines Atomprogramms bekannt gegeben. Die Erklärung hatte international Besorgnis ausgelöst. In Sechser-Gesprächen versuchten die USA, Russland, Japan, China und Südkorea seit August 2003 vergeblich, die Regierung in Pjöngjang zur Einstellung ihres Atomprogramms zu bewegen. (APA)

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