Belgiens Kronprinz Philippe in Kalamitäten

12. Februar 2005, 17:56
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Belgischer Thronfolger zu aktiv in Politik - 71-jähriger Vater will nicht abdanken

Brüssel - Der belgische Kronprinz Philippe hat ein ähnliches Problem wie sein britischer Möchtegern-Monarchenkollege Charles: Philippe ist 44 und Thronfolger - aber sein 71-jähriger Vater, König Albert II, macht keine Anstalten abzudanken.

Das untätige Warten reicht Philippe: In einem Aktivitätsschub mischt er sich lautstark in die Politik ein. Zuerst kamen Attacken auf die Rechtspartei: "Parteien wie den Vlaams Belang wollen Belgien zerstören. Ich widersetze mich dem." Das waren ein paar Worte zu viel: Ministerpräsident Guy Verhofstadt mahnte zur Zurückhaltung: "Das entspricht nicht der verfassungsmäßigen Rolle des Prinzen."

Philippe unterschrieb Aufruf

Davon ließ sich Philippe nicht bremsen: Er unterschrieb einen Aufruf belgischer Wirtschafter, wonach die Regierung zu wenig für die Wettbewerbsfähigkeit unternimmt. Da reichte es Verhofstadt: Er wies Donnerstag im Brüsseler Parlament darauf hin, dass sich das belgische Königshaus gemäß Verfassung aus tagespolitischen Debatten heraushalten muss.

Hat doch ein belgischer König keine politischen Befugnisse. Nur nach Wahlen tritt er kurzzeitig in Aktion; er entscheidet, wer mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Sonst ist das Königshaus im gespaltenen Belgien vor allem das Symbol nationaler Einigkeit: Es wirkt wie eine Klammer für die sechs Millionen Flamen und mehr als drei Millionen Wallonen - die sich wegen jeder Kleinigkeit zweisprachig in die Haare geraten.

Privat alle richtig gemacht

Neben der Symbolfunktion muss der König jedes Gesetz signieren - bei Albert II reine Formalsache. Nur sein Vorgänger, sein Bruder Baudouin, wollte 1990 das Gesetz zur Freigabe von Abtreibung nicht unterzeichnen. Die originelle Lösung: Bauduoin ließ sich vom Parlament vorübergehend für nicht regierungsfähig erklären, drückte sich vor der Unterschrift, und das Gesetz galt.

Gerade nach Philippes politischen Äußerungen wird befürchtet, dass er bei der Unterschrift mehr Probleme macht. Daher glaubt der Politologe Carl Devos von der Universität Gent, dass Philippe mit den Aussagen seine Chancen auf den Thron gefährdet.

Dabei hätte Philippe im Gegensatz zu Charles privat alles richtig gemacht: Er heiratete 1999 die Richtige, Mathilde aus altem flämischem Adel, zwei Kinder sind auch schon da. Und Affären - die sind nur von seinem Vater Albert bekannt. (Eva Linsinger, DER STANDARD - Printausgabe, 11. Februar 2005)

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